Bildnachweis: Alle Bilder auf dieser Seiten kommen von der Marienbibliothek Halle.

Mit Ausnahme des Wikipedia/Wikimedia entnommenen Exlibris bedarf die Verwendung aller Bilder der Genehmigung durch diese Bibliothek. Ich bedanke mich bei ihr für die erhaltenen Scans und die Genehmigung zur Publikation derselben in diesem Artikel.

Bild oben: Seiten aus einer Abschrift des Jahres 1482 aus dem von Bartholomäus von Pisa 1385-90 geschaffenen Werk: De confirmitate vitae Beati Francisci ad vitam Domini Jesu.

Sie liegt in der Marienbibliothek zu Halle und wird im Folgenden Codex Hallensis genannt.

Oben links: Vorderseite von Blatt Nr. 170, mit dem Buch 2 dieses Werkes beginnt.

Oben Mitte: Vorderseite von Blatt Nr. 207, wo Beispiel 17 (2) zu "Franciscus radiator" beginnt.

Oben rechts: Rückseite von Blatt Nr. 207, wo Beispiel 17 (2) zu "Franciscus radiator" endet.

Die nummerierten Zeilen-Bilder im Text sind die auseinandergenommenen einzelnen Zeilen zum Beispiel 17 (2), das als Auslegung des vorausgehenden Beispiel-Komplexes 17 (1) im Abschnitt Franciscus radiator aufgefasst werden kann. Dabei entspricht Zeilennummer 1 der 12. Zeile der rechten Spalte der Vorderseite von Blatt Nummer 207, Zeilennummer 45 der letzten (56.) Zeile dieser Spalte, Zeilennummer 46 der ersten Zeile der linken Spalte der Rückseite von Blatt 207 und Zeilennummer 71 der 26. Zeile der letztgenannten Spalte.

DIE HANDSCHRIFT EINER FRANZISKUS-PROPHE- ZEIUNG IN DER MARIENBIBLIOTHEK ZU HALLE

Überlieferungsgeschichte

Die Überlieferungsgeschichte von De conformitate

Bartholomäus von Pisa hat sein Werk "De confirmitate vitae Beati Francisci ad vitam Domini Jesu" ("Über die Gleichförmigkeit des Lebens des seligen Franziskus zum Leben Jesu") in den Jahren 1385 bis 1390 verfasst. Es wurde vom Generalkapitel 1399 in Assisi approbiert. Die Original-Handschrift ist höchstwahrscheinlich verlorengegangen. Es gebe zumindest kaum Hoffnung, dass es noch gefunden wird, so die Analecta Franciscana in der Praefatio (Vorwort).

 

Als älteste Abschriften existieren aber der Codex Assisiensis, eine Handschrift in Assisi, dem Geburtsort des heiligen Franziskus, sowie der Codex Alvernae, eine Handschrift von La Verna, dem Ort, wo Franziskus während der Erscheinung eines Seraphs die heiligen Wundmale Christi eingeprägt wurden. Diese beiden Abschriften des Werkes von Bartholomäus von Pisa sollen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden sein.

 

Im katholischen Bereich völlig unbekannt schien dagegen eine Handschrift in der Marienbibliothek Halle zu sein. Ich nenne sie deshalb den Codex Hallensis und berichte hieraus von der Prophezeiung eines nicht kanonisch gewählten, häretischen Papstes in Buch 2. Diese Handschrift trägt das Datum des 16. Novembers 1482, mit dem Buch 1 endet. In Halle an der Saale lebten Franziskaner und bildeten nach der Reformation noch eine Zeitlang die einzige katholische Bastion, das Franziskaner-Kloster, bis diesem 1564 Kurfürst Sigismund den Garaus machte.

 

Während der Codex Hallensis noch in die Inkunabelnzeit (Zeit der Wiegendrucke von 1453 bis 1500) fällt, dennoch kein Druck, sondern eine Handschrift ist, kommen 1510, 1513 jeweils in Mailand und 1590 in Bologna die ersten Drucke dieses Werkes "De conformitate".

 

1912 nun wurde es als Teil der Analecta Franciscana (1855-1983) kritisch aufgelegt. Die Druckeditionen werden dort nämlich mit den beiden italienischen Handschriften verglichen. Der Codex Hallensis bleibt jedoch unberücksichtigt. Dies dürfte weniger daran gelegen haben, dass Halle in Deutschland und nicht in Italien liegt, sondern eher an der Tatsache, dass die Abschrift von Halle nach den Wirren der Reformation letztlich mit der Marienbibliothek in die Obhut der evangelischen Kirche gelangt ist und Kontakte zu katholischen Franziskanern damals kaum noch bestanden haben dürften.

 

Hier aber möchte ich mich auf die Handschrift in Halle beziehen. Sie scheint mir aus gewissen Gründen, etwa weil sie als einzige Bruder Angelus in besagter Prophezeiung als Zeugen erwähnt, dem Urtext des Bartholomäus von Pisa ohnehin am nächsten zu kommen.

Überlieferung der Prophezeiung vom nicht kanonisch gewähltem, häretischen Papst

Von Franziszi Tod 1226 bis zur Schrift De conformitate 1385-90 sind etwa 160 Jahre vergangen. So erhebt sich die Frage nach der Überlieferungsgeschichte während dieser Zeitspanne. Im Text selbst (Zeile 3-4) wird Bruder Leo als schriftlicher Zeuge angegeben. Er gilt als einer der vier Franziskus-"Evangelisten". Seine Franziskus-Vita wurde vom Franziskaner-Orden anerkannt, ist aber verloren gegangen. Es behandelt, wie uns P.DDr. Sophronius berichtet, in erster Linie die Regel.

 

Die Analecta Franciscana sagen uns, dass Bartholomäus von Pisa weitgehend aus der Expositio Regulae des Angelus Clarinus (Clarenus) übernommen hat.

Der Prophezeiungstext

Die einzelnen Zeilen der lateinischen Handschrift, im Original, in heutigen Druckbuchstaben und in deutscher Übersetzung

Decimum setpimum ostendent [ostendens?] hoc est quod beatus Franciscus praedixit sc[h]isma

  1

Das 17., werden sie zeigen, gibt es deshalb [Das 17. ist dies darlegend], weil der selige Franziskus ein Schisma vorausgesagt hat,

quod nunc est in ecclesia sancta dei de antipapa et plura alia etiam

  2

das jetzt da ist in der heiligen Kirche Gottes, über den Gegenpapst und mehreres andere noch

de ordine praedixit, sicut socii beati Francisci retulerunt, Et frater Leo scrip-

  3

über den Orden vorausgesagt hat, wie die Gefährten des seligen Franziskus berichtet haben. Und Bruder Leo hat geschrie-

sit beatum Franciscum intellexisse venturae et « futurae tribulationis

  4

ben, dass der selige Franziskus wahrgehommen hat, dass der kommen werdenden und zukünftigen Drangsal

tempora appropinquare, in quibus spiritualiter et temporaliter discrimina inunda-

  5

Zeiten sich nähern, in denen geistig und weltzeitlich entscheidende Gefahren hereinschwemmen

re[n]t, et caritas multorum frigesceret, et super(h)abundaret

  6

würden und die Liebe vieler erkalten würde und überhandnehmen würde

iniquitas, et daemonum potestas plus solito solveretur, et suae re-

  7

die Unbill und der Dämonen Macht mehr als gewöhnlich losgebunden würde und seines Or-

ligionis et aliorum [aliarum?] puritas immaculata deformaretur, et

  8

dens und der anderen [Orden?] unbefleckte Reinheit entstellt würde und

profana dissensio et ap(p)ostasia ab utroque imperio

  9

die unheilige Zwietracht und der Abfall von jedem der beiden Machtansprüche

compleretur, in tantum quod summo pontifici et Ecclesiae Romanae paucis-

10

vollendet würde in solchem Maße, dass dem Papst ("obersten Brückenbauer") und der römischen Kirche nur die wenigs-

simi ex caritate veritatis ob[o]edirent. Et quod aliquis, non canoni-

11

ten aus Liebe zur Wahrheit gehorchen würden. Und dass irgendwer, nicht kano-

ce electus et haeretica pravitate infectus, in articulo tribulationis

12

nisch gewählt und von häretischer Schlechtigkeit infiziert, am Knöchelchen der Drangsal

istius ad papatum assumptus, multis mortem sui erroris

13

dieser eurer (= dieser eurer Drangsal) zum Papsttum erkoren, vielen den Tod seines Irrweges

sagaciter procurare mol(l)iretur. Et quod tunc multiplica-

14

scharfsinnig zu besorgen sich ins Zeug legen würde. Und dass sich dann vervielfachen

rentur scandala et quod tunc divideretur sua religio eo complures

15

würden die Ärgernisse und dass dann geteilt werden würde sein eigener Orden, deswegen ziemlich viele

ex aliis frangerentur, eo quod plures consentirent et non

16

von den anderen zerbrochen werden würden und dass mehrere beipflichten würden und nicht

contradicerent errori. Essentque opiniones et schismata tot

17

widersprechen würden dem Irrtum. Und es gäbe Meinungen und Schismen so viele

et tanta in populo et in religiosis et in clero, quod nisi breviarentur dies

18

und so große im Volk und in den Orden und im Klerus, dass, wenn nicht abgekürzt würden die Tage

illi iuxta verbum domini, si fieri posset, inducerentur in errorem etiam

19

jene (= jene Tage) gemäß dem Wort des Herren, wenn es geschehen könnte, hineigezogen werden würden in den Irrweg sogar

elecli, nisi in tanto turbine ex misericordia Dei regerentur immensa.

20

die Auserwählten, wenn sie nicht aus der Barmherzigkeit Gottes heraus gerade gerichtet würden, einer unermesslichen.

Voluit ergo beatus Franciscus, secundum quod ex revelatione perceperat, ex illis

21

Es wollte also der selige Franziskus gemäß dem, was er aus der Offenbarung wahrgenommenhatte, aus jenen

verbis Regulae: « Franciscus promittit ob[o]edientiam et reverentiam domino papae Honorio

22

Worten der Regel: "Franziskus verspricht Gehorsam und Ehrerbietung dem Papst Honorius

et suis successoribus, canonice intrantibus et Ecclesiae Romanae»,

23

und seinen kirchenrechtlich eintretenden Nachfolgern und der römischen Kirche."

ob[o]edientiam promittere sedi apostolicae et fideliter haerere, iuxta promis-

24

Gehorsam versprechen dem Apostolischen Stuhl und (ihm) treu anhängen, gemäß dem hervorgebrach-

sae evangelicae vitae votum districtionis praebere scientiam et venturi

25

ten Wunsch nach einem evangeliumsgemäßem Leben der Strenge Verstehen  darbieten und der zukünftigen

in Ecclesia scandali praenuntiare periculum et dare reme-

26

Verführung Gefahr in der Kirche vorausverkünden und geben ein Heilmit-

dium; videlicet, quod tunc incederent fratres, forti et perfecta observatione

27

tel; es ist offensichtlich, dass dann einherschreiten würden die Brüder, in wackerer und vollkommener Beobachtung

promissae vitae et regulae se munirent, quando aliquis non canonice

28

der gelobten Lebensführung und Regel sich verschanzen würden, sobald irgendwer nicht kononisch

electus papatum usurpare tyrannice, autem haeretica pravitate

29

Gewählter das Papsttum tyrannisch zu usurpieren, aber auch, von häretischer Schlechtigkeit

infectus perverse tenere videretur, quoniam tunc, ut dicebat

30

infiziert, pervers zu halten scheinen würde, weil ja dann, wie er zu sagen pflegte,

felices, qui perseverabunt in hi(i)s, quae coeperunt et spontanee

31

glücklich, die ausharren werden in diesem, was sie begonnen haben, und freiwillig

promiserunt Domino observare». Dicebat etiam beatus Franciscus « coram domino

32

versprochen haben, dem Herrn Ehrerbietung zu erweisen. Es pflegte auch der selige Franziskus zu sprechen vor dem Herrn

Hostiensi et multis fratribus et etiam populo frequentius praedicavit,

33

Ostiensis und vielen Brüdern; und auch vor dem Volk hat er häufiger gepredigt,

quod fratres sui, malignis spiritibus procurantibus, recedent

34

dass seine Brüder; während böse Geister Fürsorge leisten, sich zurückziehen werden

via simplicitatis sanctae et etiam altissimae paupertatis et pecuniam et testamenta et quae-

35

vor dem Weg der heiligen Einfachheit und auch der höchsten Armut und das Geld und die Testamente und, was

cumque eis legata acciperent. Et locis pauperculis et

36

immer ihnen vermacht wurde, annehmen würden. Und nachdem die ärmlichen Wohnungen und

solitariis relictis, in castris et civitatibus aedificarent sum-

37

die einsamen (Wohnungen) zurückgelassen worden waren, würden sie in Festen und Staaten bauen kost-

ptuosa loca, quae non statum pauperum ostendunt sed faustum

38

spielige Wohnungen, die nicht den Status der Armen zeigen, sondern einen begünstigt

mundi dominorum et principum. Et quod privilegia ab Ecclesia et

39

seitens der Welt Herren und Fürsten. Und dass sie Privilegion von der Kirche und

a summis pontificibus, cum multa astutia et humana prudentia

40

von den Päpsten mit viel Verschlagenheit und menschlicher Klugheit

et importunitate procurarent et impetrarent, promissae regulae et vitae sibi

41

und Rücksichtslosigkeit besorgen und durchsetzen würden, die der gelobten Regel und Lebensführung,

a Christo revelatae, non solum relaxantia, sed destruentia puritatem,

42

die ihnen von Chrisuts offenbart wurde, nicht nur lockern, sondern zerstören die Reinheit,

quibus muniti ad litigia et inferendas iniurias, non solum

43

damit gewappnet zu Streitereieun und zum Unrechthinzufügen, nicht nur

mundi hominibus, sed etiam aliis religiosis et clero superbiendo perti-

44

den Menschen der Welt, sondern auch den anderen Ordensleuten und dem Klerus durch ihr Übermütigsein hart-

naciter resistent. Et quod sibi ipsis laqueum foderent, in quem

45

näckig sich entgegenstellen. Und dass sie sich selbst eine Fallgrube graben würden, in die

finaliter caderent, et seminarent semina, de quibus multa meterent scan-

46

sie letztlich fallen würden, und Samen säen würden, von denen sie ernten würden viele Skan-

dala. Et quod dignum non pastorem, sed exterminatorem mittet eis Christus,

47

dale. Und dass einen würdigen Hirten nicht, sondern einen Exterminator senden wird ihnen Christus,

qui iuxta eorum adinventionem et studium redderet eis. Et mo-

48

der gemäß deren Finte und Eifer ihnen vergelten würde. Und er wird ver-

vebit tentationem validam sicut meruerint, ut involvantur et

49

anlassen eine starke Versuchung, so dass sie befürchten, dass sie involviert werden

illaqueentur cupiditatibus desideriorum suorum, ut iusto Dei

50

und verstrickt werden in die Begierlichkeiten ihrer Sehnsüchte, dass sie, von Gottes gerechtem

iudicio castigati, ad suae vocationis statum red(d)eant humi-

51

Gericht gezüchtigt, zu ihrer Berufung Stand zurückkehren als Gede-

liati, aut a vivifico, salutari modo vivendi, quem coram

52

mütigte, oder von der lebensspendenden, heilsamen Art zu leben, die sie vor

Domino usque in finem se servaturos iuraverant, funditus evel-

53

dem Herrn bis an das Ende bewahren zu werden geschworen hatten, von Grund auf herausgeris-

lantur. Nam veritas tunc a praedicatoribus cooperietur silentio,

54

sen werden. Denn die Wahrheit wird dann von Predigern überdeckt werden mit Schweigen

vel conculcata negabitur, et vitae sanctitas a suis professo-

55

oder, nachdem sie zerstampft worden ist, geleugnet werden und einer Lebensführung Heiligkeit von ihren eigenen Professo-

ribus habebitur in derisum. Qui vero spiritu ferventes paupertati

56

ren gezogen werden ins Lächerliche. Die aber, vom Geist glühend, an der Armut

adhaerebunt et pietati, persecutiones innumeras sustinebunt ».

57

festhangen werden und an der Frömmigkeit, werden unzählige Verfolgungen auf sich nehmen."

Praedicabat etiam beatus Franciscus, sicut socii retulerunt, videlicet fraters Bernardus,

58

Es pflegte auch der selige Franziskus zu predigen, sowie die Gefähren berichtet haben, freilich die Brüder Bernardus,

Angelus, Massaeus, Leo et ceteri socii testabantur, quod « tunc tanta erit

59

Angelus, Massaeus, Leo und die übrigen Gefährten bezeugten, dass dann so groß sein wird

daemonum et hominum perversorum contra simpliciter gradientes agitatio et insul-

60

der Dämonen und der  perversen Menschen Agitation und Anfall gegen einfach Einherschreitende,

tus, ut relicti ab omnibus cogantur loca deserta et solitaria petere,

61

dass sie, von allen verlassen, gezwungen werden, verödete und einsame Orte aufzusuchen

vel ad infideles transire, aut dispersi, saeculi habitu iterum sumpto, per-

62

oder zu den Ungläubigen überzulaufen oder zerstreut, der Welt Kleidertracht wiederum genommen, in der

egrinam agere vitam, vel latere aput [apud] quosque fideles, vel sub innumeris

63

Fremde zu verbringen das Leben oder verborgen zu sein bei all den einzelnen Gläubigen oder unter zahllosen

calumniis et [querelis?] querelas poenas innumeras et mortem sustinere

64

Falschanklagen [und Beschwerden?] sowohl Beschwerden, unzählige Strafen als auch den Tod auf sich zu nehmen.

Et beatus erit, qui tunc, dicebat, socium fidelem poterit invenire. Nam

65

Und glücklich wird sein, welcher dann, pflegte er zu sagen, einen treuen Gefährten wird finden können. Denn

persequentes eos a malignis spiritibus agitati, magnum esse ob-

66

die verfolgen sie, von bösen Geistern angepeitscht, dass groß sei der Ge-

sequium dicent Deo tam pestilentes homines interficere et de terra

67

horsam, werden sie sagen, vor Gott, derart verseuchte Menschen zu töten und von der Erde

delere ».Praevidit enim beatus Franciscus, ut frater Leo et socii beati Francisci testabantur,

68

zu tilgen. Es sah nämlich der selige Franziskus voraus, wie Bruder Leo und die Gefährten des seligen Franziskus bezeugten,

quod ministri et alii, qui praeessent in ordine, magnam tribulationem facerent

69

dass Untergebene und andere, die im Orden zugegen wären, große Unannehmlichkeit bereiten würden

regulam volentibus observare. Et hoc beatus Franciscus dixit papae Honorio

70

denjenigen, die die Regel einhalten wollen. Und dies sagte der selige Franziskus Papst Honorius

in regulae confirmatione.

71

bei der Regel Bestägigung.

Die deutsche Übersetzung allein

Das 17., werden sie zeigen, gibt es deshalb, weil der selige Franziskus ein Schisma vorausgesagt hat, das jetzt da ist in der heiligen Kirche Gottes. Vom Gegenpapst und noch mehreres andere vom Orden hat er vorausgesagt, wie die Gefährten des seligen Franziskus berichtet haben. Und Bruder Leo hat geschrieben, der selige Franziskus habe wahrgenommen, dass Zeiten einer Drangsal, die sich anschickt zu kommen und da zu sein, sich nähern, Zeiten, in denen auf geistige und weltliche Weise gefährliche Situationen hereinschwemmen würden, die Liebe vieler erkalten, die Bosheit überhandnehmen, der Dämonen Macht mehr als gewöhnlich losgebunden und seines und der anderen Orden unbefleckte Reinheit entstellt würde. Und die unheilige Zwietracht und der Abfall von jedem der beiden Machtansprüche würde in solchem Maße Erfüllung finden, dass dem Papst und der römischen Kirche nur die wenigsten aus Liebe zur Wahrheit gehorchen würden. Irgendwer, nicht kanonisch gewählt und von häretischer Schlechtigkeit infiziert, würde am Knöchelchen dieser Drangsal zum Papsttum erhoben; viele scharfsinnig mit dem Tod seines Irrweges zu versorgen würde er sich ins Zeug legen. Dann würden vervielfachen sich die Ärgernisse und daraufhin geteilt sein eigener Orden bis zu dem Punkt, da ziemlich viele von den anderen zerbrechen würden und mehrere dem Irrtum beipflichten und nicht widersprechen würden. Und Meinungen und Schismen gäbe es so viele

und so große im Volk, in den Orden und im Klerus, dass, wenn nicht abgekürzt würden jene Tage gemäß dem Wort des Herren, wenn es geschehen könnte, in den Irrweg hineigezogen werden würden sogar die Auserwählten, wenn sie nicht aus einer unermesslich großen Barmherzigkeit Gottes heraus gerade gerichtet würden.

 

Es wollte also der selige Franziskus gemäß dem, was er aus der Offenbarung wahrgenommen hatte, aus jenen Worten der Regel: "Franziskus verspricht Gehorsam und Ehrerbietung Papst Honorius und seinen kirchenrechtlich ins Amt tretenden Nachfolgern und der römischen Kirche." dem Apostolischen Stuhl Gehorsam versprechen und treu anhängen, gemäß dem geäußerten Wunsch nach einem evangeliumsgemäßem Leben seine Erfahrung mit der Strenge darbieten und die Gefahr der zukünftigen Verführung in der Kirche vorausverkünden und ein Heilmittel dagegen geben. Es ist offensichtlich, dass dann einherschreiten würden die Brüder in wackerer und vollkommener Beobachtung der gelobten Lebensführung und Regel. Verschanzen würden sie sich, sobald irgendwer nicht kononisch Gewählter das Papsttum tyrannisch zu usurpieren, aber auch, von häretischer Schlechtigkeit infiziert, pervers zu halten scheinen würde. Es sind ja dann, wie er zu sagen pflegte, glücklich diejenigen, die ausharren werden in dem, was sie begonnen haben, und freiwillig versprochen haben, dem Herrn Ehrerbietung zu erweisen.

 

Es sprach auch der selige Franziskus vor dem Herrn Ostiensis und vielen Brüdern, und auch vor dem Volk hat er häufiger gepredigt, dass seine Brüder unter der Fürsorge böser Geister sich zurückziehen werden vor dem Weg der heiligen Einfachheit und auch der höchsten Armut. Und Geld, Testamente und alles ihnen Vermachte würden sie annehmen. Und nach Verlassen der ärmlichen und einsamen Wohnungen würden sie in Kastellen und Städten kostspielige Wohnungen bauen, die nicht den Status der Armen darbieten, sondern einen von den Herren und Fürsten der Welt begünstigten. Und Privilegien von der Kirche und den Päpsten würden sie sich mit viel Verschlagenheit, menschlicher Klugheit und Rücksichtslosigkeit besorgen und durchsetzen, Privillegien, die die Reinheit der gelobten Regel und Lebensführung, die ihnen von Chrisuts offenbart wurde, nicht nur lockern, sondern zerstören. Mit diesen Privilegien zu Streitereien und zum Antun von Unrecht gewappnet, werden sie sich nicht nur den Menschen der Welt, sondern auch den anderen Ordensleuten und dem Klerus durch ihr Übermütigsein hartnäckig entgegenstellen. Sich selbst würden sie eine Grube graben, in die sie letztlich fallen würden, und Samen würden sie säen, von denen sie viele Skandale ernten würden. Und einen würdigen Hirten nicht, sondern einen Exterminator wird ihnen senden Christus, der ihnen gemäß ihrer Finte und ihrem Eifer vergelten würde. Auch wird er eine starke Versuchung anregen, gleich als wenn sie fürchteten, in die Begierlichkeiten ihrer Sehnsüchte involviert und verstrickt zu werden, damit sie, von Gottes gerechtem Gericht gezüchtigt, zu ihrer Berufung Stand als Gedemütigte zurückkehren oder von der lebensspendenden, heilsamen Art zu leben, die sie vor dem Herrn bis an das Ende zu bewahren geschworen hatten, von Grund auf herausgerissen werden. Denn die Wahrheit wird dann von den Predigern mit Schweigen überdeckt werden oder erst zerstampft und dann geleugnet werden. Und einer Lebensführung Heiligkeit wird von ihren eigenen Lehrern ins Lächerliche gezogen werden. Diejenigen aber, die, vom Geist glühend, an der Armut und an der Frömmigkeit festhangen werden, werden unzählige Verfolgungen auf sich nehmen.

 

Es pflegte auch der selige Franziskus zu predigen, sowie die Gefähren berichtet haben - freilich bezeugten dies die Brüder Bernardus, Angelus, Massäus, Leo und die übrigen Gefährten -, dass dann die Agitationen und der Anfall der Dämonen und perversen Menschen gegen die einfach lebenden Menschen so groß sein wird, dass sie, von allen verlassen, gezwungen werden, verödete und einsame Orte aufzusuchen oder zu den Ungläubigen überzulaufen oder wieder den Laienstatus anzunehmen und verstreut in der Fremde das Leben zu führen oder verborgen zu sein bei all den einzelnen Gläubigen oder unter zahllosen Falschanklagen und Beschwerden sowohl unzählige Strafen als auch den Tod auf sich zu nehmen. Und glücklich wird sein, welcher dann, pflegte er zu sagen, einen treuen Gefährten wird finden können. Denn diejenigen, die sie verfolgen, werden, angepeitscht von bösen Geistern, sagen, dass groß sei der Gehorsam vor Gott, derart verseuchte Menschen zu töten und von der Erde zu tilgen. Es sah nämlich der selige Franziskus voraus, wie Bruder Leo und die Gefährten des seligen Franziskus bezeugten,

dass Untergebene und andere, die im Orden zugegen wären, große Unannehmlichkeit bereiten würden denjenigen, die die Regel einhalten wollen. Und dies sagte der selige Franziskus Papst Honorius bei der Bestägigung der Regel.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© galli cantus