DER AUFERSTEHUNGSLEIB

Der hl. Pius X. kurz und prägnant

Der heilige Pius X., eine Photographie 1903, als er Papst wurde

Wir lesen im

Kompendium der christlichen Lehre

von Seiner Heiligkeit Papst Pius X.

angeordnet für die Diözesen der Provinz Rom

herausgegeben von der Priesterbruderschaft St. Pius X.

1981 im Mediatrix-Verlag Wien

über den 11. Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses (S. 120-121) das Folgende:

239. Was lehrt uns der elfte Artikel: "Auferstehung des Fleisches"?

Der elfte Artikel des Glaubensbekenntnisses lehrt uns, dass alle Menschen auferstehen werden, indem jede Seele wieder jenen Leib in Besitz nimmt, den sie in diesem Leben hatte.

240. Wie wird die Auferstehung der Toten geschehen?

Die Auferstehung der Toten wird geschehen durch die Kraft des allmächtigen Gottes, dem nichts unmöglich ist.

241. Wann wird die Auferstehung der Toten geschehen?

Die Auferstehung der Toten wird am Ende der Welt geschehen, und darauf wird das allgemeine Gericht folgen.

242. Warum will Gott die Auferstehung der Leiber?

Gott will die Auferstehung der Leiber, weil die Seele, die das Gute oder das Böse mit dem Leib vereint getan hat, auch mit ihm zusammen belohnt oder bestraft werden soll.

243. Werden alle Menschen auf die gleiche Weise auferstehen?

Nein, es wird ein großer Unterschied sein zwischen den Leibern der Auserwählten und den Leibern der Verdammten; denn die Leiber der Auserwählten werden, ähnlich dem auferstandenen Christus, die Gaben der verklärten Leiber besitzen.

244. Welches sind diese Gaben, die die Leiber der Auserwählten schmücken werden?

Die Gaben, welche die verklärten Leiber der Auserwählten schmücken werden, sind:

1. Leidensunfähigkeit, durch die sie nicht mehr Leiden oder Schmerzen irgendwelcher Art unterworfen sein können noch Speise oder Ruhe oder etwas anderes nötig haben;

2. Helligkeit, durch die sie wie die Sonne und die übrigen Sterne leuchten werden;

3. Schnelligkeit, durch die sie in einem Augenblick und ohne Ermüdung von einem Ort zum anderen und von der Erde zum Himmel kommen können;

4. Freiheit von irdischer Materie, durch die sie ohne Hindernis jeden Körper durchdringen können, wie der auferstandene Christus es getan hat.

245. Wie werden die Leiber der Auferstehung der Verdammten sein?

Die Leiber der Verdammten werden ohne die Gaben der verklärten Leiber der Seligen sein und werden das schreckliche Mal der ewigen Verwerfung tragen.

Der hl. Pius V. im Catechismus Romanus

Der heilige Pius V. gemalt von El Greco

Das Religionsbuch der Kirche

(Catechismus Romanus)

In deutscher Übersetzung

herausgegeben

von

Dr. Michael Gatterer S. J.

Professor der Theologie

an der Universität Innsbruch

 

Einleitung und vom

Glaubensbekenntnis

Übersetzt

von

Anton Koch S. J.

1929

Innsbruck

Druck und Verlag von Felizian Rauch

Catechismus ex Decreto Sacrosancti Concilii Tridentini ad Parachos, Pii V. Pontificis Maximi iussu editus (Katechismus aus dem Dektret des hochheiligen Konzils von Trient an die Pfarrer, herausgegeben auf Geheiß Papst Pius' V.); kurz: Catechismus Romanus.

Der Catechismus Romanus  wurde 1566 von Papst Pius V. gemäß dem Beschluss des Konzils von Trient für die Seelsorger herausgegeben. Er steht auf kathpedia unter dem Lemma

Catechismus Romanus

vollständig online zur Verfügung.

Offiziell ist er in vier Teile gegliedert. Der erste davon handelt vom Glaubensbekenntnis und ist auf der Seite

Catechismus Romanus I. Teil: Vom Glaubensbekenntnis

in einem Stück abgedruckt.

Im Folgenden wird nicht alles, was im I. Teil über den 11. Glaubensartikel "Auferstehung des Fleisches" steht, wiedergegeben, sondern nur, wie es der Titel dieser Website verrät, der Auszug über den Auferstehungsleib. Er betrifft die Punkte 7 bis 11 in

Zwölftes Kapitel: Elfter Glaubensartikel "Auferstehung des Fleisches".

Während die Einteilung in Kapitel ebenso offiziell ist, gehen die Nummern in den runden Klammern auf Andreas Fabricius, einem Professor der Theologie in Löwen (Belgien), zurück.

Die eingangs zitierte deutsche Ausgabe von Professor Gatterer hat zusätzlich noch Teilüberschriften am Rand des Textes. Sie werden von mir als Absatz-Überschriften in die Textwiedergabe integriert.

V. Der Auferstehungsleib wird sein

V.1. unser jetziger Leib; aber

7 Ferner ist es von großer Bedeutung, dass wir uns ganz überzeugen, dass eben dieser unser Leib, und zwar genau derselbe Leib, wie er uns jetzt zu eigen ist, wieder zum Leben erweckt wird, mag er auch verwest und zu Staub zerfallen sein. Darum muss der Seelsorger auch diesen Punkt eingehend erklären. Es ist das die Lehre des Apostels, die er mit den Worten ausspricht: »Das Verwesliche (Vergängliche) muss überkleidet werden mit Unverweslichkeit (Unvergänglichkeit)« (1 Kor 15, 53), wobei er mit dem »Verweslichen« offenbar diesen unsern eigenen Leib bezeichnet. Auch Job spricht diesen Gedanken ganz deutlich aus: »In meinem Fleisch werde ich Gott schauen, ich selbst werde ihn schauen und meine Augen werden ihn erblicken, ich und nicht ein anderer« (Job 19, 26 f).

Das gleiche ergibt sich aus dem, was wir unter Auferstehung verstehen. Diese ist, nach Johannes von Damaskus (De fide orthodoxa 4, 27) die WiederherstelIung eben des Zustandes, aus dem wir geschieden sind.

Außerdem muss ein tieferes Überdenken der Gründe, aus denen oben die Notwendigkeit der Auferstehung bewiesen wurde, jeden Zweifel in dieser Sache benehmen.

8 Als Zweck der Auferstehung haben wir bereits angegeben, »dass ein jeder den Lohn für sein Leben im Leibe empfangen soll, je nachdem er gehandelt hat, es sei gut oder böse« (2 Kor 5, 10). Der Mensch muss also in demselben Leib auferstehen, mit dem er Gott oder dem Teufel zu Diensten war, damit er mit demselben Leib Siegeskrone und Siegespreis empfange oder Strafen empfindlichster Art verbüße.

V.2. vollkommen und

9 Es wird aber der Leib nicht nur einfachhin wieder erstehen, sondern es soll ihm auch all das zurückgegeben werden, was zur vollkommenen Menschennatur und zu Schmuck und Zierde des Menschen gehört. Der hI. Augustin (Vom Gottesstaat 22, 19 [vgl. Enchiridion 89 f]) hat dafür die schöne Stelle: »Nichts Missgestaltetes wird dann am Leib noch zu finden sein. War jemand etwa zu stark beleibt, so wird er nicht die ganze ehemalige Körperfülle wiedererhalten. Was das Ebenmaß überschreitet, wird als Übermaß in Wegfall kommen. Und umgekehrt wird durch Christus in göttlicher Kraft alles wieder ersetzt werden, was Krankheit oder zunehmendes Alter am Körper aufgezehrt haben, wie etwa bei solchen, die durch Abzehrung überschmächtig wurden. Denn Christus wird uns nicht nur einfach den Leib zurückgeben, sondern auch all das, was uns durch des Lebens Not und Leid verloren ging.« Und an anderer Stelle sagt er: »Der Mensch wird nicht nur das Haupthaar wieder erhalten, wie er es [beim Tod] hatte, sondern wie es zu seinem vollen Schmuck gehört, nach dem Wort der Schrift: ,Alle Haare eures Hauptes sind gezählt´ (Mt 10,30) - insoweit sie nämlich nach göttlich weisem Plan [bei der Auferstehung] zurückgegeben werden sollen.«

V.3. mit der Vollzahl der Glieder,

Weil aber vor allem die verschiedenen Glieder zur richtig beschaffenen Menschennatur gehören, werden auch sie in ihrer Vollzahl wiederhergestellt werden. Wer also des Augenlichts entbehrte, sei es, dass er es von Geburt an nicht hatte oder durch einen Unglücksfall verlor, wer lahm, verkrüppelt, oder irgendwie bresthaft war, wird auferstehen mit unversehrtem, vollkommenem Leib. Sonst wäre ja auch dem Verlangen der Seele, die von Natur nach der Vereinigung mit dem Leibe strebt, nur schlecht Genüge getan, während doch gerade dieses Verlangen der Seele, wie wir fest glauben, in der Auferstehung vollkommen befriedigt werden soll. Außerdem gehört die Auferstehung nach wohlbegründeter Ansicht in besonderem Sinn zu den Großtaten Gottes, geradeso wie die Schöpfung. Wie nun im Anbeginn bei der Schöpfung von Gott alles vollkommen geschaffen wurde, so müssen wir das unbedingt auch für die Auferstehung annehmen. Und zwar gilt das nicht nur für die Blutzeugen, von denen der hl. Augustin (Vom Gottesstaat 22, 19 [3]) spricht: »Es werden ihnen jene Glieder (die sie beim Martyrium verloren haben) nicht fehlen«; denn solche Verstümmelung müsste ja den Körper verunstalten und es müssten z. B. solche, die enthauptet wurden, dann ohne Haupt auferstehen. Allerdings - die Narben, die Spuren der Mordwerkzeuge werden an ihren Gliedern leuchten glänzender als Gold und Edelstein, ganz ähnlich wie die Wundmale Christi.

V.3+. auch bei den Verworfenen

Ein Reicher von Dämonen vom Bett aus in die Hölle gezerrt

Dass die Glieder vollzählig zurückgegeben werden, gilt übrigens ebenso für die Bösen, auch wenn sie durch eigene Schuld sie verloren haben (Vgl. Augustin, Sermo 362, c. 20). Je größer bei ihnen die Zahl der Glieder, desto größer die Heftigkeit der Schmerzen, die sie nun peinigen und verzehren werden. Die Wiedererstattung der Gliedmaßen wird also für sie nicht Glückseligkeit, sondern Elend und Leid im Gefolge haben. Denn Verdienst wie Missverdienst wird nicht den Gliedern angerechnet, sondern der Person, deren Körper sie angehörten; denen, die Buße taten, werden sie wiedergegeben zum Lohn, denen aber, die die Bekehrung von sich wiesen, zur Strafe.

Der Seelsorger, der all das aufmerksam durchdenkt, wird Stoff und Gedanken in Fülle finden, um die Gläubigen zu einem heiligen Leben anzufeuern, auf dass, wenn ihnen die Beschwerden und Mühsale des Erdenlebens auf der Seele lasten, sie mit heißem Verlangen jene selige Auferstehungsglorie herbeisehnen, die den Gerechten und Frommen winkt.

VI. Eigenschaften des Auferstehungsleibes

10 Weiterhin sollen die Christen über das Wesen des Auferstehungsleibes noch Näheres erfahren. Denn wenn auch der Leib, der von den Toten erweckt werden soll, ein und derselbe ist wie jener, der im Tod der Vernichtung anheimfiel, so sind dessen Eigenschaften gegen früher doch völlig verschieden.

VI.1. Unsterblichkeit für alle

Abgesehen von allem andern besteht der größte Unterschied zwischen dem Auferstehungsleib und unserem jetzigen Leib darin, dass dieser dem Gesetz des Todes unterworfen ist, der Auferstehungsleib aber unsterblich sein wird, und zwar unterschiedslos bei Guten wie Bösen. Diese wunderbare Wiederherstellung der Natur ist eine Frucht des erhabenen Sieges, den Christus über den Tod davongetragen hat, wie die Hl. Schrift wiederholt bemerkt. Denn es steht geschrieben: »Er wird den Tod auf ewig vernichten« (Jes 25, 8). Und an anderer Stelle: »Dein Tod werde ich sein, o Tod« (Hos 13, 14), wozu der Apostel erklärend bemerkt: »Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod« (1 Kor 15, 26). Und beim hl. Johannes lesen wir: »Der Tod wird fürder nicht mehr sein« (Offb 21, 4). Es war auch vollkommen in der Ordnung, dass die Erlösungsfrucht Christi des Herrn, durch die der Herrschaft des Todes ein Ende gemacht wurde, die Sünde Adams weit übertraf. Anderseits entspricht es ganz der göttlichen Gerechtigkeit, dass die Guten zum Genuss ewiger Glückseligkeit gelangen, die Bösen aber in ihren ewig währenden Strafen »den Tod suchen und doch nicht finden, zu sterben wünschen, während der Tod vor ihnen weicht« (Offb 9, 6). Die Unsterblichkeit also wird Guten und Bösen gemeinsam sein.

VI.2. für die Heiligen

11 Der Körper der Heiligen aber hat bei der Auferstehung überdies eine Reihe herrlicher, wunderbarer Eigenschaften, die ihm einen viel größeren Adel verleihen, als er ihn je zuvor besaß. Die wichtigsten davon sind jene vier so genannten »Gaben«, wie sie die Väter aus der Lehre des Apostels ableiten.

VI.2.a. Leidensunfähigkeit

Die erste Eigenschaft ist die Leidensunfähigkeit, eine besondere Gabe, die bewirkt, dass dem Leib keinerlei Beschwerde, kein Schmerz, kein Ungemach mehr zustoßen kann. Der Einfluss der Kälte, sengende Hitze, die Gewalt der Wogen können ihm nichts mehr anhaben. »Gesät wird, wie der Apostel sagt, in Verweslichkeit (Vergänglichkeit), auferweckt wird (der Leib) in Unverweslichkeit (Unvergänglichkeit)« (1 Kor 15, 42). Dass aber die Gottesgelehrten diese Eigenschaft mit Vorzug »Leidensunfähigkeit« und nicht »Unvergänglichkeit« (Unverweslichkeit) genannt haben, das hat seinen Grund darin, weil sie eine Eigenschaft eben des Leibes der Verklärten bezeichnen wollten. Denn diese Leidensunfähigkeit ist etwas, was sie mit den Verdammten nicht gemein haben. Bei diesen ist der Leib wohl unvergänglich, aber trotzdem so eingerichtet, dass sie brennende Hitze, Kälte und alle Arten von Strafleiden wohl fühlen.

VI.2.b. Verklärtheit

Pius V. in der Kapelle gemalt von Baldassarre Croci

Eine zweite Eigenschaft ist die Verklärtheit, kraft deren die Leiber der Heiligen leuchten werden wie die Sonne. Denn so sagt unser Heiland beim hl. Matthäus: «Die Gerechten werden leuchten wie die Sonne im Reich ihres Vaters« (Mt 13, 43). Und dass niemand daran zweifle, hat Er dies bei der Verklärung [auf dem Berg Tabor] durch sein eigenes Beispiel gezeigt (Mt 17, 2). Diese Eigenschaft nennt der Apostel bald Glorie, bald Verklärtheit [Klarheit, Herrlichkeit]: »Er wird unsern armseligen Leib umwandeln und seinem verherrlichten Leib gleichgestalten« (Phil 3, 21). Und wiederum: »Gesät wird in Unansehnlichkeit, auferweckt wird in Glorie« (1 Kor 15, 43). Ein Vorbild dieser Glorie sah einst das Volk Israel in der Wüste, als Moses' Antlitz, nach seiner Zwiesprache in Gottes unmittelbarer Gegenwart, so sehr erstrahlte, dass die Kinder Israels ihn gar nicht anzublicken vermochten (2 Kor 3, 7; Exod 34, 29 ff). Es ist diese Verklärtheit ein Lichtglanz, der aus der höchsten Seligkeit der Seele auf den Körper überströmt. Sie ist also in gewissem Sinn eine Anteilnahme des Leibes an dem Glück, das die Seele genießt, wie die Seele ihrerseits dadurch glückselig ist, dass ein Tropfen der Glückseligkeit Gottes in sie fällt. - Diese Gabe wird übrigens nicht wie die erstgenannte alle Seligen im gleichen Maß auszeichnen. Leidensunfähig werden zwar alle Leiber der Heiligen in gleichem Maße sein, aber sie werden nicht alle den gleichen Grad der Verklärtheit besitzen. Denn so sagt der Apostel: »Anders ist der Glanz der Sonne, anders der Glanz des Mondes, anders der Glanz der Sterne. Ja auch ein Stern ist vom andern im Glanz verschieden. So verhält es sich auch bei der Auferstehung der Toten« (1 Kor 15, 41).

VI.2.c. Beweglichkeit

Mit dieser Gabe in Verbindung steht jene weitere Eigenschaft, die als »Beweglichkeit« bezeichnet wird. Sie macht den Körper frei von der Schwere, die jetzt auf ihm lastet, und so wird er sich mit größter Leichtigkeit und mit Blitzesschnelle allüberallhin bewegen können, wohin die Seele es haben will. So lehrt ganz klar der hl. Augustin (Vom Gottesstaat 13, 18) in seinem »Gottesstaat« und der hl. Hieronymus (Zu Kap. 40, 27 [lib. 12]) in seinem Kommentar zu Isaias. Daher heißt es beim Apostel: »Gesät wird in Schwachheit, auferweckt in Kraft« (1 Kor 15, 43).

VI.2.d. Geistigkeit

Dazu gesellt sich endlich die Eigenschaft, die als »Feinheit« [Geistigkeit] bezeichnet wird. Durch sie wird der Leib der Herrschaft der Seele vollkommen unterworfen erscheinen, er wird ihr zu Diensten sein und jedem ihrer Winke. gehorchen. Das zeigen die Worte des Apostels: »Gesät wird ein sinnlicher Leib, auferweckt wird ein geistiger Leib« (1 Kor 15, 44).

Damit sind die Hauptpunkte genannt, die bei der Erklärung dieses Glaubensartikels zu besprechen sind.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© galli cantus