Das Blendwerk der Freundlichkeit

Es wäre sicherlich zu viel zu erwarten, dass sich die beiden Päpste mit einer Beleidigungslitanei begrüßt hätten, um erkennen zu lassen, dass sie dicke Freunde sind. Sowas macht man nur unter rauen Gesellen. Es wäre aber ebenso zu viel zu erwarten, sie sollten gleich in den Super-GAU der Entschuldigung verfallen sein, um erkennen zu lassen, dass sie einander sehr distanziert gegenüberstehen. Allerdings frage ich mich, ob denn das nicht gar geschehen wäre, hätte einer der beiden gewusst, wofür er sich entschuldigen hätte sollen.

Es haben aber auch manche sogar von einem freundlichen oder gar väterlichen Verhalten Papst Benedikts gegenüber „Papst“ Franziskus auf eine freundschaftliche Beziehung der beiden geschlossen. Und dieser Schluss ist grundfalsch. Denkt doch mal nach, wie ihr euch selbst wem gegenüber verhaltet. Dem Freunde gegenüber verhaltet ihr euch leger, legt keinen Wert auf Form; demjenigen aber, dem ihr am liebsten aus dem Weg geht, begegnet ihr doch, wenn ihr schon müsst, mit absoluter Korrektheit, mit Freundlichkeit, ja sogar zuvorkommend, einfach deswegen, damit er euch nie was zur Last legen kann, damit er euch nie was vorwerfen kann, nie anklagen kann, denn dann seid ihr sicher, von dem Ruh zu haben. Freundlichkeit blendet, täuscht über die wahren Verhältnisse hinweg. Konkret: der freundliche Umgang der beiden Päpste ist alles andere als ein Zeichen für Wohlgesonnenheit.

Hören Sie sich doch auch das folgende Audio über die Beichte des Teufels an. Der Teufel erschien "auffällig höflich", heißt es da.
Der höfliche Teufel beichtet bei Pater Pio

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