Warum Benedikts Rücktrittsrede am Rosenmontag und nicht am 1. April war

Der erste April

"Schau, Thomas, da oben fliegt, ein Ochse!", so in etwa sollen Kameraden zu Thomas von Aquin gesagt haben. Und als dieser nach oben blickte, lachten sie ihn aus und meinten: "Hast du wirklich geglaubt, dass Ochen fliegen können?" Thomas aber entgegnete ihnen: "Eher glaube ich, dass Ochsen fliegen können als dass Christen lügen können."

Als ich ein kleines Kind war, wurde mir von unserem Nachbarsbauern auf exakt dieselbe Weise der April geschickt. Die Geschichte scheint sich rumgesprochen zu haben.

Wie aber steht die Kirche zu solchen Scherzlügen? Sie nennt sie, obwohl es sich um einen Scherz handelt, dennoch eine Lüge. Christen lügen nicht, nicht mal im Scherz.

Durch eine Rücktrittsrede am 1. April mag vielleicht deutlicher als am Rosenmontag vermittelt werden, dass man das, was man glaubt vernommen zu haben, nicht zu glauben braucht.

Auf diese Weise würde aber der Brauch der Scherzlüge am 1. April päpstlich abgesegnet werden.

Zudem ist der Brauch des In-den-April-Schickens ein rein weltlicher; kirchlicherseits war er nie anerkannt.

Zum Dritten würde so ein April-Scherz signalisieren, Benedikts Rücktrittsrede sei eine Lüge, was ja den Papst in eine fatale Vorbildsfunktion rücken würde.

Jeder Christ muss also zur Erkenntnis gelangen, dass es ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, hätte Benedikt seinen erzwungenen Rücktritt als eine Art Scherzlüge am 1. April bekanntgegeben.

Der Rosenmontag

Ganz anders verhält es sich in Bezug auf den Rosenmontag. Der Rosenmontag gilt zumindest im Rheinland als der Höhepunkt des Karnevals. Im schwäbisch-alemannischen Raum spricht man von der Fastnacht und im bayerisch-österreischen vom Fasching.

Über den Sinn des Faschings lässt sich streiten. Man darf sich aber durchaus Gedanken machen, warum er gerade auf einen Papst zurückgeht, dessen Einsetzung ein großes Schisma beendet hat. Brachte jene Karnevals-Rede Benedikts XVI. nun das Schisma zurück, oder gehen wir besser davon aus, dass das Schisma längst latent Bestand hatte und dadurch, dass jetzt die Schismatiker ihren Papst haben, sie sich offen zeigen können und somit erst erkennbar werden, was ja wiederum notwendig ist, um ein Schisma kitten zu können? Folgt man Letzterem, so könnte man Benedikts Karneval-Akt als Vorbedingung für eine nahende Einheit der katholischen Kirche sehen, die, so geeint, wieder zu ihrem alten Glanz zurückfinden wird.

Ich gehe sogar weiter: Der Sinn der Einführung des Karnevals, den der damalige Papst Martin V. sicherlich noch nicht erahnen konnte, besteht im Kitten eines, was Lehre und Pastoral betrifft, viel größeren Schismas, eines Schismas, das die katholische Kirche in den Sumpf der Anbiederung an die Welt, bekannt unter dem Stichwort des Aggiornamento, geführt hat, einen Sumpf, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint, gäbe es da nicht den Karneval, der es auch einem Papst erlaubt, einen Akt des Scherzes zu tun, um den Schismatikern die Masken vom Gesicht zu reißen. Papst Martin V. hat das Fundament dazu gelegt. Und Papst Benedikt XVI. nutzt es, um das Schisma zu überwinden.

Benedikts Büttenrede

Der Büttenredner wählt ein Thema, und dieses bezieht sich in der Regel auf gewisse Personen, auf deren Verhalten, und er macht sich darüber lustig. Die angesprochenen Personen müssen dabei nicht unbedingt im Publikum sitzen, es reicht, wenn das Publikum sie kennt, um sich belustigen zu können. So ist es also mitnichten etwas Besonderes, dass Papst Benedikt seinen Rücktritt von seinem Dienst oder von was anderem vor Priestern erklärt, die mit Heiligsprechungen zu tun haben, und nicht vor allen Kardinälen, die ihn in Amt und Würden gesetzt haben. Und die Priester hätten sich belustigen können, hätten sie nur gemerkt, dass heute der Karneval auf dem Höhepunkt steht.

Ebenso gehört es zur allgemeinen Belustigung, die Begriffe, von denen man spricht, nicht beim offiziellen Namen zu nennen, sondern sie besser zu bebildern, etwas dem Volksmund anzupassen, damit dieser sich mehr angesprochen fühle. Was ist - um die kirchenrechtlich relevanten Begriffe mal zu nennen - eine Sancta Sedes (ein Heiliger Stuhl) oder eine Sedes Apostolica (ein abgesandter Stuhl) im Vergleich zum Stuhl eines gewissen Petrus, den man sich plastisch vorstellen kann? Wenn dann noch Verwechlsungen vorkommen, wenn man etwa den Heiligen Stuhl mit dem römischen Bürgermeistersessel verwechselt, der bald leerstehen soll, macht das die Büttenrede zu einem richtigen Gag.

Weiter gehören Zwei- oder gar Dreideutigkeiten zu einer guten Büttenrrede, die den Empfänger zum Nachdenken bringen, wie sie etwa in den drei verschiedenen Übersetzungsversionen A, B und C erkennbar sind, die man hier nachlesen kann:

Die vorausgehenden Überlegungen sollten nun allen klar gemacht haben, dass Benedikts Büttenrede nie und nimmer auf den 1. April gepasst hätte, sondern dass hierfür wirklich nur der Rosenmontag der geeignete Tag war.

Weiter ist der Fakt, dass das in der Büttenrede Gesagte nie in einem von Benedikt XVI. unterzeichneten Dokument festgehalten wurde, als ein weiteres Indiz dafür zu werten, dass es sich bei Benedikts Auftritt um keine völkerrechtlich wirksame Erklärung, sondern eben nur um eine Büttenrede gehandelt hat.

Dass der 1. April für den Papstmacher, Kardinal Kasper, zu spät (nach dem 5. März) datiert gewesen wäre - er hätte dann als Über-80-Jähriger nicht mehr am Konklave der Schismatiker teilnehmen dürfen -, soll hier nur am Rande erwähnt werden. Als ein Grund gegen den 1. April könnte so ein Argument nie anerkannt werden.

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