Vom Mess-Detailwissen über den Johannes-Ablass zum Fleischmarkt der Hölle

Quellenangabe

Es handelt sich hier um Teil 2 der Serie: "Santesas Dämon und der Portiunkula-Ablass".

Er ist dem Werk von Bartholomäus von Pisa: "De conformitate vitae Beati Francisci ad vitam Domini Iesu" entnommen, und zwar gemäß dem Druck  in den Analecta Franciscana, Tomus V, Seite 44, Zeile 17 bis Seite 45, Zeile 25.

Detaillierte Beschreibung des Geschehens einer bestimmten heiligen Messe

Nach dem Essen aber rief sie [gemeint ist Frau Santesa, in der der Dämon steckt] der genannte Priester, nämlich Bruder Jakobus, und lud sie ein, dass sie sich ein bisschen neben ihn setze. Sie winkt ab und sagt: „Nicht bin ich würdig das zu tun, denn Ihr seid ein geweihter Priester des Herrn. Da sagte der Priester zu ihr: „Woher weißt du, dass ich ein Priester bin?“

Darauf antwortete der Dämon: „Weil Ihr um das Fest des heiligen Michaels die erste Messe in Bologna gesungen habt, und ich war dort anwesend. Und Bruder Jakobus von Pozali hat eben da in der Domus Devotorum („Haus der Gottergebenen“) gepredigt. Bruder Wilhelm von Cortemilia (?) war euer Magister (andere Version: „minister“ = Diener) in dieser Messe, und Bruder Petrus von Ravenna und Bruder Wilhelm von Bertinoro waren die Kantoren.“ Und so beschrieb er alle Mitwirkenden, den ganzen Vorgang und den Ausgang der Messe der Reihe nach sowie das übrige Drumherum äußerst wahrheitsgetreu. Und abermals sagte er dem Priester: „Ihr seid neunmal bei einem gewissen Ablass gewesen, den es im Spoletanischen Tal neben Assisi gibt, und beim dritten Mal waren eure zwei Schwestern dabei und haben euch unterwegs äußerst stark bedrängt.“

 

[Makarius’ Einigungsversuch zwischen Gott und dem Teufel:] Und er fügte hinzu: „Ihr habt auch mehrere Male den genannten Bruder Jakobus von Pozali in Bologna predigen gehört, dass der heilige Makarius eine Einigung zwischen Gott und dem Teufel erwirken wollte. Und der Herr sagte zu Makarius: „Wenn der Teufel seine Schuld aussprechen will, werde ich seiner schonen.“ Da wandte sich Makarius wieder an den Teufel und berichtete ihm jene Worte, die der Herr gesagt hatte. Es antwortete der Teufel: „Niemals werde ich meine Schuld aussprechen; im Gegenteil: der Gekreuzigte selbst muss vor mir die Knie beugen und mir seine Schuld sagen, weil er selbst mich so viele Jahre in der Hölle festsitzen lässt.“ Darauf sagte Makarius: „Geh, Satan!“ Und er vertrieb ihn. Der aber erschien ihm nie wieder.“

 

Uns so erklärte besagter Dämon vieles, was sich ereignet hatte, der Reihe nach jenem Priester äußerst wahrheitsgetreu.“

Die Wahrheit über den Ablass des Evangelisten Johannes

Danach, während alle anderen zuhörten, sagte der erwähnte Priester zu ihm: „Ist  jener Ablass, um dessentwillen wir hierher nach Ravenna gekommen sind, echt?“ Der antwortete: „Ihr wisst dies sehr wohl, weil ihr gehört habt, dass das in Bologna vom Herrn Bruder Johannes vom Prediger-Orden, Doktor der Theologie und Bischof von Bologna, gepredigt worden ist. Er sagte nämlich, dass es ein Ablass von 3 Jahren und 120 Tagen sei. Aber die Stunde des Ablasses gibt es nicht, außer zur Mitternacht. Zu jener Stunde werde ich euch rufen. Dann werden die Domherrn (?; „canonici“) feierlich die Reliquien zeigen und den Ablass von Schuld und Strafe predigen. Aber sie selbst werden durch die Kehle lügen, weil es ihn nicht gibt, außer in dem Ausmaß, wie ihr ihn in Bologna gepredigt werden gehört habt. Aber siehe, ich sage es euch voraus, denn nach euch werde natürlich ich dort hinkommen.“ Und sowie er [der Dämon bzw. sie, in der Dame] es vorausgesagt hat, rief er sie und ging nach ihnen, und zudem sahen und hörten sie selbst alles buchstäblich so, wie er es vorausgesagt hatte. Dann sagt ihm der oben erwähnte Priester: „Wie ist denn dort so wenig vom Ablass, hat doch der selige Johannes persönlich jene Kirche in einer solchen Nacht geweiht?“ Da antwortete der Teufel: „Wahr ist es, dass der selige Johannes sie geweiht hat. Dennoch gibt es dort nicht mehr vom Ablass, und er möge euch nicht wenig erscheinen, denn wenn jemand einen so großen Zeitraum im Fegefeuer verbleiben müsste, durch jenen Ablass würde er von den Strafen befreit werden.“

Der Fleischmarkt der Hölle

Während jene die oben erwähnten Worte sprachen, schwor irgendeiner von der Familie oder den Umstehenden verwirrten Geistes beim Blute Christi. Und auf der Stelle grunzte jene Dame schrecklich in sich selbst hinein und sie schien sich ganz zerfleischen zu wollen. Folglich sagte der Priester zu ihr: „Warum braust du so auf und schreist du so?“ Und während er die Hand der Frau stark schüttelte, sagte er: „Tu keiner Christin weh!“ Und dann hörte der Dämon auf der Stelle mit diesem Grunzen und Geschrei auf und sagt: „Was mich betrifft: ich erschrecke und wundere mich über diesen Sünder da, der so unverschämt und ehrfurchtslos namentlich das Blut des Gekreuzigten genannt hat, welcher die Sünder so geliebt hat, dass er für ihr Heil und ihre eigene Erlösung sein ganzes Blut ausgießen und gleichsam ein einziges Bad aus diesem Blute machen wollte, in welchem sie selbst von allen Sünden gewaschen würden, obwohl doch bereits ein Tropfen jenes Blutes zur Erlösung des ganzen menschlichen Geschlechts genügt hätte.“ Weiter sagt er: „Sobald das Blut des Gekreuzigten genannt wird und sobald das Glöcklein geschlagen wird, das der Kleriker vor dem Priester trägt, der den Leib des Herrn Jesus Christus dem Schwachen gibt, kniebeugen sich alle Dämonen der Hölle, sowie geschrieben steht: „Jedes Knie beuge sich!“ usw. Und da nun hat jener Sünder so ehrfurchtslos und tadelnswert das Blut selbst genannt; deswegen machen über eben diese einen ganz großen Fleischmarkt in der Hölle, weil sie das Blut Jesu Christi, des Gekreuzigten, so tadeln.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© galli cantus