Papsthymne
Papsthymne
 

Decus redde - Die Kirchenhierarchiehymne - Die Papsthymne auf Latein

Die folgende Kirchenhierarchiehymne, Decus redde, zumindest deren erste Strophe, kann man wie den Inno e Marcia Pontificale auch Papsthymne (hymnus papae, hymnus papalis)  nennen.

Lateinischer Text und wörtliche Übersetzung mit Bildern

Die 1. Strophe (Papsthymne) wendet sich an den Papst (1. Bild: die Tiara, 2. Bild: Papst Benedikt XVI.), die 2. Strophe an die Kardinäle und Bischöfe (3. Bild: Bischof Tebartz van Elst), die 3. Strophe an die Priester (4. Bild: ein Beichtstuhl).
Lateinischer Text Wörtliche Übersetzung
Martinus Bachmaier 2015

 ♫  ►   Melodie: Hanns Eisler 1949

1 .  S t r o p h e

Decus redde,

Sancte Pater,

Die Zier gibt zurück,

Heiliger Vater,

Sanctae Rex

Ecclesiae,

König der heiligen

Kirche,

Sancti domum

formans later,

des Heiligen Haus

formender Backstein,

isti tibi

creditae!

diesem dir

anvertrauten (Haus)!

Quale fulmen!

Ecce tectum!

Was für ein Blitz!

Siehe, das Dach!

Quod laborat

ambitu.

Das leidet an

Amtserschleichung!

A tam lectum

Papam rectum,

Ach, den so erlesenen

(auf)richtigen Papst,

Sancta

Sancto Spiritu,

Heilige voll

Heiligen Geistes,

|:

 

tege,

fulci tu!  :|

schütze,

stütze du!

2 .  S t r o p h e

Omne dogma

perdocete,

Jedes Dogma

lehrt eingehend,

cardinales,

principes,

ihr Kardinäle,

Fürsten,

docendosque

ter monete

und die zu Belehrenden

ermahnt dreimal,

leges sequi

caelites!

die himmlischen Ge-

setze zu befolgen!

Abstinete

blandientes

Haltet die

schmeichelnden

contione

subdolos!

Hinterlistigen von der

Volksversammlung fern!

Fac clementes,

accredentes,

Mach mild,

zum Glauben bringend,

fortes fac

episcopos,

tapfer mach

die Bischöfe,

|:

 

pia

virgo cos!  :|

gewissenhafter jung-

fräulicher Wetzstein!

3 .  S t r o p h e

Sacram missam

celebrate,

Die heilige Messe

feiert,

sacerdotes,

intime,

ihr Priester,

innigst,

sacramenta

ministrate,

die Sakramente

spendet,

sacras preces

fundite!

die heiligen Gebete

lasst entströmen!

Turba ne

profana sitis

Nicht ein vom Heiligen

ferner Haufe seid

quodve mundus

ungit os!

oder ein Mund, den

die Weilt salbt!

Cutis mitis,

lucis ditis,

Milde Haut

des reichen Lichtes,

fove, forma

filios,

hege, forme

deine Söhne,

|:

 

face

turris hos!  :|

mache zu

Türmen diese!

Die Melodie und ihr Komponist

Die Melodie, auf die das Decus redde gesungen werden will, wurde von Hanns Eisler (Bild links) 1949 komponiert. Zusammen mit dem Text von Johannes R. Becher, ebenfalls 1949 verfasst, war sie die Nationalhymne der ehemaligen DDR: Auferstanden aus Ruinen. Da diese nun ihrer staatlichen Funktion verlustig gegangen ist, soll ihre Melodie auch auf das Decus redde angewandt werden. Die verlinkte Instrumentalversion umfasst alle drei Strophen, denen zudem eine schöne Einleitung vorausgeht.

Niemanden möge es stören, dass ich Hanns Eislers Melodie auch auf das Decus redde gesungen wissen will. Die Kirche ist ja derzeit in einem ruinierten Zustand, aus dem sie neu erstehen und sich der Zukunft zuwenden muss Auch die Melodie zum Lied der Deutschen wird ja nicht nur auf die deutsche Nationalhymne, sondern ebenso auf einen englischen kirchlichen Text mit dem Liedanfang "Glorious Things of Thee are Spoken" gesungen, und bekannt sollte sein, dass sie der Kaiserhymne "Gott erhalte Franz den Kaiser" entlehnt ist. Einen metrisch perfektionierten einstrophigen lateinischen Text dazu habe ich hier verfasst.

Decus redde - der lateinische Text allein und bebildert

1. Benedikt XVI. (Papsthymne); 2. EB Müller (Großinquisitor), 3. Dr. Weis

Decus redde

Die Kirchenhierarchiehymne

Martinus Bachmaier 2015

 ♫  ►   Hanns Eisler 1949

1 .  S t r o p h e

(Papsthymne)

Decus redde, Sancte Pater,

Sanctae Rex Ecclesiae,

Sancti domum formans later,

isti tibi creditae!

Quale fulmen! Ecce tectum!

Quod laborat ambitu.

A tam lectum Papam rectum,

Sancta Sancto Spiritu,

|: tege, fulci tu! :|

2 .  S t r o p h e

(an die Bischöfe)

Omne dogma perdocete,

cardinales, principes,

docendosque ter monete

leges sequi caelites!

Abstinete blandientes

contione subdolos!

Fac clementes, accredentes,

fortes fac episcopos,

|: pia virgo cos! :|

3 .  S t r o p h e

(an die Priester)

Sacram missam celebrate,

sacerdotes, intime,

sacramenta ministrate,

sacras preces fundite!

Turba ne profana sitis

quodve mundus ungit os!

Cutis mitis, lucis ditis,

fove, forma filios,

|: face turris hos! :|

Versmaß und Reim

Akzentuierende Metrik: Diesbezüglich liegt ein Trochäus vor.

 

Quantitierende Metrik: Die Silben werden entsprechend den ihnen zugeordneten Notenlängen durch folgendes Versmaß ausgelegt:

 

Vers Quantitierendes Versmaß    Legende/Bemerkungen

1.

    | X X | X X | X X | X X |    



X

|

lange Silbe
kurze Silbe
beliebige Silge

Taktstrich

2.     | X X | X X | | |  
3.     | X X | X X | X X | X X |  
4.     | X X | X X |  ● |    
5.     | |  ● |  ● | ▬  ▬   fixer Spezialfall des kata-
lektischen Tetrameters
6.   | |  ● |  ● | |  
7.     | X X | X X | X X | X X |   Binnenreim
8.     | X X | X X |  ● | X     Alliteration
9. ●●| | | |         fixes Versmaß
10. | ● | | | |   |   fixes Versmaß

Stets wird hier jede Note, die länger als einen Schlag ist, durch eine lange Silbe und jede Note, die höchstens einen halben Schlag lang ist, durch eine kurze Silbe interpretiert. Ein Schlag entspricht dabei einer Vierteilnote in der Notation Hanns Eislers im Zweivierteltakt.

 

Vers 5 und 6 beginnen mit einem Dreiviertel-Schlag. Da dieser dreimal so lang ist wie der darauffolgende Viertelschlag, wird diese Silbe als lang gefordert, obwohl prinzipiell die einen ganzen Schlag, also länger anhaltende Noten, durch eine beliebige Silbe interpretiert werden dürfen. Die vorletzte Silbe von Vers 5 ist die einzige des Verpaares 5&6, die genau einen Schlag lang ist. Damit ist sie länger als die erste Silbe von Vers 5 und wird somit ebenfalls verpflichtend lang ausgelegt. Daraus ergibt sich ein Verspaar mit insgesamt 15 fix geforderten Silbenlängen. Es entsteht ein strenger Spezialfall des katalektischen trochäischen Tetrameter-Verses in quantitierender Metrik, katalektisch, da das vierte Metrum nicht mehr zwei, sondern nur noch eineinhalb Versfüße hat. Das Metrum eines trochäischen Tetrameters besteht aus zwei Versfüßen, einem Trochäus ( ●) gefolgt von einem weiteren Versfuß, der in der Regel wieder ein Trochäus ( ●) oder aber ein Spondeus ( ), nie aber ein Jambus (● ) ist. Letztgenannte Freiheit wird hier nicht genutzt; stattdessen wird ein völlig fixes Versmaß gefordert. Ein solches ergibt sich ebenso in den metrikgleichen Versen 9 und 10. Die beiden ersten Noten von Vers 10 sind zwar genau einen Schlag lang, die dazugehörigen Silben müssen aber als wiederholte erste Silben von Vers 9, wo sie einer halben Schlag langen Note zugeordnet sind, kurz ausgelegt werden.

 

Sonderheiten zu Metrik, Text und Reim: Der erste Teil der letzen Strophe endet mit der Silbe "te" des Wortes "fundite". Diese Silbe ist, da sie mit einem Kurzvokal endet, an sich kurz, wird aber als letzte Silbe eines lateinischen Verses - die zwei Verse 3 und 4 zusammen bilden hier einen einzigen katalektischen Tetrameter-Vers - standardmäßig lang gebraucht, indem man sozusagen das kurze Schluss-"e" ausklingen lässt, sodass es lang gesungen wird. Weiterhin ist anzumerken, dass der letzte Vers dieser letzten Strophe "vergilisch" ist. Vergil verwendet den Imperativ "face" öfter als "fac" und lässt  i-Stämme im Akkussativ Plural bei Maskulinum und Femininum mit "is" (langes "i") enden. Die Endung "es" kam erst später in Gebrauch. Bei "turris", wo sogar im Akkusativ Singular die Endung "im" überwiegt, ist die "is"-Endung ohnehin naheliegend. Der Grund für die Verwendung dieser Endung liegt aber in der Art der Endreime, welche Vokalgleichheit in den letzten beiden Silben leistet.

 

Endreime: Der Text reimt sich stets mindestens in den letzten beiden Silben. Das ist insofern ungewöhnlich, als die Verse mit männlichem Ende sich gewöhnlich nur auf der letzten Silbe reimen, da auf dieser der Ton liegt, ab dem der Reim gewöhnlich beginnt. Im Decus redde haben aber auch die besagten männlichen Verse in der vorletzten Silbe gleichen Vokal.

 

Ein Binnenreim im siebten Vers: Vers 5 und 6 klingen musikalisch und auch vom Text her recht bedrohlich.  Die Rückkehr zur Einleitungsmelodie wirkt deshalb besonders wohltuend und leitet zudem eine Fürbitte an die Gottesmutter ein. Dies wird durch den Binnenreim in Vers 7 interpretiert. Er umfasst alle acht Silben. Die betonte fünfte Silbe reimt sich zur vier Silben früher stehenden betonten ersten Silbe, und ebenso reimt sich die betonte siebte Silbe zur betonten dritten. Die unbetonte sechste Silbe reimt sich nicht nur, sondern ist, wie es die Unbetontheit wünscht, nahezu klanggleich mit der unbetonten zweiten Silbe (die stimmlosen Plosive c, p, und t klingen ähnlich, ebenso wie die Liquide l und r), während die völlige Identität der achten und letzten Silbe mit der vierten und damit letzten Silbe der ersten Vierergruppe für einen reinen Reim der beiden Hälften dieses siebten Verses sorgt.

Bildnachweis

Alle Bilder sind als ganze oder als Auszüge Wikimedia/Wikipedia entnommen:

 

Ort Kurzbeschreibung Uploader
Die drei Titelbilder ganz oben
Bild links Feierliche tridenti­nische Messe Krepideia
Bild mittig Papst Benedikt XVI. 2008 Krepideia
Bild rechts Krummstab in der Hand von Erzbischof Müller Jüppsche~commonswiki
Die vier vertikal angeordneten Bilder beim Lateintext mit Übersetzung
1. Bild Tiara zur Krönung der Petrus­statue im Petersdom Rotatebot
2. Bild Papst Benedikt XVI. 2011 Peter Nguyễn Minh Trung
3. Bild Bischof Tebartz-van Elst Moguntiner
4. Bild Beichtstuhl Albertus teolog
Das Bild zur Melodie und ihrem Komponisten
Bild links Hanns Eisler auf einer Brief­marke der DDR-Post 1968 Nightflyer
Die drei vertikal angeordneten Bilder beim Lateintext allein
1. Bild Papst Benedikt XVI. 2008 Krepideia
2. Bild Erzbischof Gerhard Ludwig Müller Jolanta Dyr
3. Bild Tridenti­nische Messe von Dr. Weis, Diözese Speyer Joachim Specht
Das Bild zur Metrik
Bild rechts Papst Benedikt XVI. auf einer Synode 2008 Mangouste35
Druckversion Druckversion | Sitemap
© galli cantus