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Der eucharistische Hymnus Pange lingua / Tantum ergo von Thomas von Aquin

Gregorianisch gesungen von Giovanni Vianini, dem Leiter der Schola Gregoriana Mediolanensis, Mailand, Italien

Der lateinische Text mit deutscher Übersetzung und deutscher Reimübertragung von Heinrich Bone 1847

  Lateinischer Text Deutsche Übersetzung Heinrich Bone 1847

1.

Pange, lingua, gloriosi
Corporis mysterium,
Sanguinisque pretiosi,
quem in mundi pretium
fructus ventris generosi
Rex effudit Gentium.

Besinge, Zunge, des glorreichen
Leibes Geheimnis
und des wertvollen Blutes,
das zum Preis der Welt
die Frucht des edlen Bauches
als König der Völker vergossen hat.

Preise, Zunge, das Geheimnis
dieses Leibs voll Herrlichkeit
und des unschätzbaren Blutes,
das, zum Heil der Welt geweiht,
Jesus Christus hat vergossen,
Herr der Völker aller Zeit.

2.

Nobis datus, nobis natus
ex intacta Virgine,
et in mundo conversatus,
sparso verbi semine,
sui moras incolatus
miro clausit ordine.

Uns gegeben, uns geboren
von der unberührten Jungfrau,
und in der Welt sich aufgehalten,
gestreut des Wortes Same,
hat er die Aufenthalte seines Wohnens
in dieser wunderbaren Ordnung beendet.

Uns gegeben, uns geboren
von der Jungfrau, keusch und rein,
ist auf Erden er gewandelt,
Saat der Wahrheit auszustreun,
und am Ende seines Lebens
setzt er dies Geheimnis ein.

3.

In supremae nocte coenae
recumbens cum fratribus
observata lege plene
cibis in legalibus,
cibum turbae duodenae
se dat suis manibus.

In des letzten Mahles Nacht,
zu Tische liegend mit seinen Brüdern,
beobachtet war das Gesetz vollkommen
in den gesetzmäßigen Speisen,
gibt er zur Speise der Zwölferschar
sich mit seinen eigenen Händen.

In der Nacht beim letzten Mahle
saß er in der Jüngerschar.
Als nach Vorschrift des Gesetzes
nun das Lamm genossen war,
gab mit eigner Hand den Seinen
er sich selbst zur Speise dar.

4.

Verbum caro, panem verum
verbo carnem efficit:
fitque sanguis Christi merum,
et si sensus deficit,
ad firmandum cor sincerum
sola fides sufficit.

Das Wort als Fleisch macht das wahre Brot
durch das Wort zu Fleisch,
und es wird das Blut Christi reiner Wein;
wenn auch die Sinneswahrnehmung fehlt,
um zu festigen ein lauteres Herz,
genügt allein der Glaube.

Und das Wort, das Fleisch geworden,
schafft durch Wort aus Brot und Wein
Fleisch und Blut zur Opferspeise,
sieht es auch der Sinn nicht ein.
Es genügt dem reinen Herzen,
was ihm sagt der Glaub allein.

5.

Tantum ergo Sacramentum
veneremur cernui:
et antiquum documentum
novo cedat ritui:
praestet fides supplementum
sensuum defectui.

Ein so großes Sakrament also
lasst uns tiefgebeugt verehren,
und die alte Lehre
weiche dem neuen Ritus!
Es gewähre der Glaube eine Ergänzung
dem Mangel an Sinneswahrnehmungen!

Darum lasst uns tief verehren
ein so großes Sakrament;
dieser Bund soll ewig währen,
und der alte hat ein End.
Unser Glaube soll uns lehren,
was das Auge nicht erkennt.

6.

Genitori, Genitoque
laus et jubilatio,
salus, honor, virtus quoque
sit et benedictio:
procedenti ab utroque
compar sit laudatio.

Dem Zeuger und dem Gezeugten
Lob und Jubel,
Heil, Ehre, Kraft auch
sei und Lobpreis;
dem Hervorgehenden aus beiden
sei gleiche Belobigung!

Gott, dem Vater und dem Sohne
sei Lob, Preis und Herrlichkeit
mit dem Geist im höchsten Throne,
eine Macht und Wesenheit!
Singt in lautem Jubeltone:
Ehre der Dreieinigkeit!

 

Amen.

Amen.

Amen.

Die Textversion

Im Werk "Ein Jahrtausen lateinischer Hymnendichtung - eine Blütenlese aus den Analecta Hymnica mit literarhistorischen Erläuterungen", Leipzig, O. R. Reisland, 1909, von Guido Maria Dreves und Clemens Blume heißt es am Anfang der zweiten Strophe: "Nobis natus, nobis datus", stehen also  "datus" und "natus" in anderer Reihenfolge.

Das Versmaß

Thomas von Aquin hat bereits in akzentuierender Metrik gedichtet, hier in der trochäischen Metrik. Diese Metrik ist nur in der zweiten Zeile der dritten Strophe nicht durchgehalten, da "recumbens" nach heutigem Standard zumindest auf der zweiten Silbe betont wird.

Gregorianischer Gesang mit durchlaufendem Text-Noten-Band

Die Noten zu allen Strophen am Paradigma der ersten

Das Kreuzhymnus-Pange-lingua des Venantius Fortunatus als Grundlage des eucharistischen Pange lingua des Thomas.

Thomas von Aquin aber übernimmt in seinem Pange lingua nicht das Inzipit (Anfang) des Pange-lingua-Kreuzhymnus des Venantius Fortunatus, sondern auch das Versmaß und den inhaltlichen Aufbau.

Während aber das Versmaß bei Venantius Fortunatus, wie im frühen Mittelalter üblich, noch quantitierend war, d. h. nach Längen und Kürzen unterscheidet, schrieb Thomas von Auqin die Tetrameter-Verse des eucharistischen Hymnus bereits in akzentuierender Metrik, die nicht mehr von Längen und Kürzen, sondern von betonten und unbetonten Silben bestimmt ist.

Im inhaltlichen Aufbau richtet sich Thomas wieder ganz nach Venantius Fortunatus. So wie Venantius mit einem kurzen Lobspruch auf das Kreuz beginnt, beginnt Thomas mit einem kurzen Lobspruch auf die eucharistischen Gestalten. So wie Venantius daraufhin die Geschichte des Kreuzes erzählt, erzählt Thomas die Geschichte des Mensch gewordenen Gottessohnes bis zur Einsetzung der Eucharistie, und so wie Venantius am Ende das Kreuz gebührend würdigt, würdigt Thomas das hochheilige Sakrament der Eucharistie und fordert zu dessen Verehrung auf.

Pange lingua mit Musik, Vogelgezwitscher & Wassergeplätscher

Pange lingua (versio monastica) von Harpa Dei (Harfe Gottes)

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