Links mein Kreuz aus Oberammergau. Rechts das Gemälde Parce domine von Adolphe Willette; dieses bildet wohl die Angst vor einem deutschen Angriff im deutsch-französischen Krieg 1870 ab. (Quelle und Lizenzerteilung des Gemäldes: Wikipedia/Wikimedia gemäß der Verlinkung)

Die Antiphon zur Fastenzeit "Parce domine", eine Strophenauswahl aus verschiedenen Hymnen

Das Versmaß in den Strophen

Alle Strophen, nicht aber der Refrain, sind in einen jambischen Dimeter gefasst. Jeder solche Vers besteht aus zwei jambischen Metren, wobei jedes dieser Metren aus zwei Versfüßen besteht. Dabei muss der erste ein Spondeus (— —) oder ein Jambus (◡ —), der zweite jedoch verpflichtend ein Jambus (◡ —) sein. Die Versmetrik sieht dann so aus:

×—ˌ◡—.×—ˌ◡

Dabei steht × für eine beliebige,  für eine lange und  für eine kurze Silbe. Das letzte Zeichen  bedeutet, dass die letzte Silbe, sollte sie kurz sein, lang gebraucht wird, also stets lang ist. Das kleine Tiefkomma trennt die zwei Versfüße eines Metrums, der Punkt die beiden Metren.

Gesang von Giovanni Vianini, dem Leiter der Schola Gregoriana Mediolanensis, Mailand, Italien

Der lateinische Text und eine wörtliche Übersetzung ins Deutsche

Es folgt die "Hymnen-Variante". Gemäß der Heimat der Choral Public Domain Library, Choral Wiki, gibt es noch zwei andere Varianten (Variant 1, Variant 2) mit kurzem Text, der hier gelesen werden kann, wobei Variant 1 nahezu exakt Joel 2:17 entspricht. Eine weitere Variante steht hier auf gregorien.info. Hier aber die Hymnen-Variante:

  Lateinischer Original-Text Übersetzung ins Deutsche

Refrain

 

Parce, Domine, parce populo tuo:
ne in aeternum irascaris nobis.

Verschone, Herr, verschone dein Volk,

damit du nicht in Ewigkeit uns zürnst.

Nach Dreves & Blume ist folgende Strophe nicht die 5. von Ex more docti mystico:

1. Str.

 

 

 

Flectamus iram vindicem,
ploremus ante Judicem;
clamemus ore supplici,
dicamus omnes cernui:  
R

Beugen wir den rächenden Zorn!

Weinen wir vor dem Richter!

Schreien wir mit demütig bittendem Mund!

Preisen wir ihn alle tiefgebeugt!

Es folgt die (auch gemäß Dreves & Blume) 6. Strophe von Ex more docti mystico:

2. Str.

 

 

 

Nostris malis offendimus
tuam Deus clementiam.
effunde nobis desuper
remissor indulgentiam.  
R

Durch unser Böses haben wir beleidigt

deine, o Gott, Milde.

Lass ausströmen uns von oben herab,

o Gnadenspender, deine Nachsicht!

Nun folgt die 2. Strophe von O sol salutis intimis:

3. Str.

 

 

 

Dans tempus acceptabile,
da lacrimarum rivulis
lavare cordis victimam,
quam laeta adurat caritas.  
R

Gebend annehmbare Zeit,

gib, dass durch unsere Tränenbäche

wäscht unseres Herzens Opfer,

welches frohe Liebe anbrennen möge.

Dann folgt oft noch die 1. oder gar noch die 2. Strophe des Audi benigne conditor:

4. Str.

 

 

 

Audi, benigne Conditor,
nostras preces cum fletibus
in hoc sacro jejunio
fusas quadragenario.
   R

Höre, gütiger Gründer,

unsere Gebete begleitet mit Weinen,

in diesem heiligen Fasten

hingebreitet, dem 40tägigen.

5. Str.

 

 

 

Scrutator alme cordium,
infirma tu scis virium;
ad te reversis exhibe
remissionis gratiam.
   R

Erhabener Durchforscher der Herzen,

das Schwache der Kräfte du kennst,

den zu dir Zurückgekehrten gewähre

der Vergebung Gnade.

Die Noten

Prinzipiell werden alle Strophen nach dieser Melodie gesungen. Dazu muss man im letzten Vers der dritten Strophe "laeta adurat" als "lae-ta-du-rat" singen. Eine Darstellung der Notation aller Strophen inklusive des Textes findet sich hier auf dem Collégiale St André in Grenoble. Da wird aber besagte Kontraktion in der dritten Strophen nicht vollzogen, sondern die beiden Silben durch zwei Töne auseinandergehalten.

Das Parce domine gesungen auf dem Petersplatz

Text und Noten zu allen fünf Strophen auf der Website zelanti.org

Das gesamte Audi benigne coditor, das dem Parce domine den Text ab der vierten Strophe liefert

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