"Das Amt geräumt, aber nicht verlassen" und die Bezeichnung "Papa amotus" ("am. Pp".)

Noch kurz zur Emeritierung

Es wurde in den letzten Tagen hier, hier und hier die Frage diskutiert, ob ein Papa emeritus möglich sei. Es gibt zwar für den Emeritus keine kirchenrechtliche Definition, so doch aber sowohl im Buchberger- als auch im Rahner-LThK (Lexikon für Theologie und Kirche) einen Eintrag, welcher besagt, dass Emeriten ehrenvoll Dienstunfähige sind. Im letztverlinkten Artikel wurde noch die Frage nach der differentia specifica aufgeworfen. Wen sie interessiert: ich bin im letzten Kapitel des hier verlinkten Artikels darauf eingegangen.

Sollte sich nun ein amtierender Papst kraft seiner Jurisdiktionsgewalt als emeritiert bezeichnen wollen und dabei sowohl dem Wortsinn von "emeritiert" = "entlohnt" als auch der Definition in den Lexika für Theologie und Kirche entsprechen wollen, so muss er in Ehren sein, sich belohnen (etwa durch Weniger-Arbeiten), aber auch dienstunfähig sein. Eine Dienstunfähigkeit kann aber auch dadurch entstehen, dass er an der Ausübung seines Dienstes durch Einflussnahme anderer behindert wird, und eine Dienstbehinderung dürfte hier auf gloria.tv kaum noch einer bestreiten.

Wenn ich auch behaupte, ein amtierender Papst könne sich Papa emeritus nennen, so sind mir doch die Bilder von @archangelus, wo das "em." durchgestrichen ist, sympathischer, da ein "em." von der Mehrheit eben doch in voller Entsprechung zur Mogelpackung einer Bischofs-Emeritierung als "im Ruhestand" aufgefasst wird und damit das Bewusstsein, dass der Emeritierte ja noch im Amt ist, einfach nicht mehr da ist. Wir brauchen also eine bessere Bezeichnung für einen in Ehren weggeräumten Papst als das "em.".

Erzbischof Gänswein: Benedikt habe das Amt geräumt, aber nicht verlassen

Diese Behauptung EB Gänswein muss man sich mal auf der Zunge zergehen lasse: "geräumt (!), aber nicht verlassen!"

Deutet da nicht das Wörtchen "geräumt" bereits eine Vertreibung an? Denken wir da nicht an die Räumung von Siedlungen seitens gewisser Staaten, für die das 11. Gebot gilt?

Die Aktion des "Räumens" geht nicht von Benedikt aus, war also seinerseits nicht freiwillig. Denn wäre sie freiwillig, wäre er dann nicht einfach aus dem Papstpalast ausgezogen? Hätte man das dann nicht mit "ausgezogen" formuliert?, meine ich.

Von Ausziehen kann man aber offenbar nicht sprechen, denn er hat ja das Amt "nicht verlassen", so sagt es uns EB Gänswein. Wer verlässt denn wen? Klagen nicht viele Frauen: "Warum hast du mich verlassen?", wenn ihr Mann gegangen ist. Hätte die Frau den Mann rausgeschubst oder wäre er irgendwie anders gewaltsam gegangen, spräche man doch nicht von "Verlassen"!

Das Verlassen eines Amtes wäre also eine freiwillige Aktion Benedikt; sie käme einem freiwilligen Amtsrücktritt gleich; doch dieses Verlassen hat EB Gänswein verneint.

Offenbar war Benedikt XVI. enttäuscht, dass so wenige Menschen bemerken, dass er doch vom Amt gar nicht zurückgetreten ist, weil sie den Text gar nicht richtig belauschen oder beäugen. Und die Beibehaltung von Kleidung, Anrede und Siegelring sowie der Fakt, dass er seine Büttenrede inmitten der anderen Büttenreden im Fernsehen platziert hat, scheinen auch nicht gefruchtet zu haben. So ließ er eben durch EB Gänswein etwas nachhelfen.

"Franziskus" sei der aktive Papst, Benedikt XVI. der kontemplative

Zunächst wird hier der Begriff "Papst", unter dem wir Katholiken im kirchlichen Zusammenhang durchaus den "Summus Pontifex" verstehen, missbraucht. Solche Begriffsmissbräuche gibt es anderswo auch, sogar in der so präzisen Mathematik, wo etwa beim unbestimmten Integral das Gleichheitszeichen im Sinne von "wird repräsentiert durch" gebraucht wird. Wundern wir uns also nicht, sondern stellen uns einfach die Frage: Wer wäre demnach der eigentliche Papst, das Kirchenoberhaupt, und wer der Vizepapst, Unterpapst, Hilfspapst oder wie man ihn nennt?

Dass Benedikt das Kirchenoberhaupt ist und das Papstamt durch den "aktiven" Kardinal Bergoglio erweitert worden ist, ergibt einen Sinn, denn ein alternder Kirchenchef braucht Hilfe in päpstlichen Aktionen, die auszuführen ihm zu schwer werden, kann also einen aktiven "Hilfspapst" gebrauchen.
Wenn nun aber der aktive "Franziskus" das Kirchenoberhaupt und Benedikt nur der Papst zur Erweiterung des Papstamtes wäre, fragt man sich, inwiefern ein Papstamt durch eine Kontemplation erweitert werden kann. Zur Kontemplation bedarf es doch keines Papstes! Da reicht doch ein kontemplativer Bischof genauso. Wenn es also einen aktiven "Papst" und einen kontemplativen Papst gibt, kann nur der kontemplative das Kircheoberhaupt sein.
 

Die Reaktion auf Seiten Kardinal Bergoglios;

 

Von der Seite Kardinal Bergoglios beteuerte man auf die Aussagen EB Gänsweins, dass es selbstverständlich nur einen Papst gäbe (was ja richtig ist) und dieser Kardinal Bergoglio sei (was jedlch falsch ist). Wenn sich Kardinal Bergoglio nicht als Hilfs-, Vize- oder Unterpapst, sondern als Oberhaupt der katholischen Kirche, dann ist er objektiv gesehen ein Gegenpapst.

 

Der Papa amotus (am. Pp.)

Wichtiger ist natürlich die erste Aussage Gänswein, die zumindest anklingen lässt Papst Benedikt sei "weggeräumt" worden. Er habe "das Amt geräumt", heißt es ja. Das Ergebnis auf der Suche nach einer Bezeichnung, die das ausdrückt, ist die Bezeichnung "amotus", d. h. ganz am Wort klebend und euphemisch: "wegbewegt", was ja die Planierraupe im Titelbild andeutet.

Im Lateinischen benutzt man diese Bezeichnung etwa für das Wegschaffen eines demütigen Bittstellers ("supplex"), in der Poesie sogar für die Verbannung, etwa "in insulam" ("auf eine Insel"). So kann es auch dafür herhalten, wenn einer mit einer Planierraupe oder was Ähnlichem ins Gefängnis abgeschoben worden ist.

"amotus" ("am.") versus "demotus" ("dem.")

"amotus" und "demotus" sind ähnlich. Für das Wegschaffen von einem Amt, einem Wegschaffen also, das den Amtsverlust bedeutet, ist dagegen das Verb "demovére" belegt. Doch ist gewaltsames, also nicht freiwilliges Entfernen vom Amt rechtsungültig, weswegen man kein Verb verwenden sollte, das den Amtsverlust anzeigt.
Außerdem würde mich die Abkürzung "dem" an "demoliert" erinnern, passt also nicht.

Nochmals zu "amotus" ("am.") versus "emeritus" ("em.")

Das "em." belässt zwar den Papst im Amt, doch wissen das die wenigsten, und außerdem lässt dieses Wort mitnichten erkennen, dass seine Dienstunfähigkeit nur aufgrund einer Dienstbehinderung zustande gekommen ist. "am." ist eindeutig besser.

"depulsus", "deportatus" oder "depositus" (Abkürzung jeweils "dep.")?

"depulsus" war mein erster Gedanke, "deportatus" gefiel mir auch bestens, doch könnte die entsprechende Abkürzung gerade in Bayern mit einem Schimpfwort assoziiert werden.
Das mit derselben Vorsilbe "de-" versehene und ebenso abgekürzte Verb "depónere", welches beim Sturz der Mächtigen vom Thron im Magnifikat Verwendung findet, wäre ebenso wie das bereits erwähnte "demotus" mit dem Verlust von Amt und Macht verbunden.

Eine mögliche Assoziirung von "am."

Das "am." = "amotus" zeigt ein Fortschieben, ein Fortschaffen ohne Amtsverlust an. Der Deutsche mag es möglicherweise mit "amtierend" assoziieren. Und dieses Verständnis gibt zwar nicht die lateinische Bedeutung wieder, ist aber richtig, denn Benedikt XVI. ist nach wie vor amtierender Papst mit voller Jurisdiktionsgewalt.

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