Die Bilder oben:  Links: Der heilige Korbinian mit einem Modell des Freisinger Doms; Gemälde im Fürstengang des Dombergs (Quelle: Wikimedia).  Rechts: Gemälde über einem Bogen zu einem Seitenschiff (Quelle & ©: Domkirchenstiftung Freising, Foto: Thomas Dashuber); Aufschrift unten: "FRISINGÆ FESTIVE RECIPITUR" ("in Freising wird er" (sein Leichnam) "festlich empfangen").

Das Korbinianslied "Deiner hohen Herrlichkeit" auf Latein:  Pompa, cantu cornuum te Corbiniane

Die Noten mit dem Text der ersten beiden (von fünf) Strophen

Die Melodie stammt von Gustav Schauerte (1876–1945) und der deutsche Text, den ich ins Lateinische übertragen habe, von Maria Luise Thurmair (1950/1973). Das Lied ist im Diözesanteil des Gotteslobes der Erzdiözese München und Freising unter der Nummer 836 zu finden.

 

Die Rhythmik habe ich durch das Vorziehen der sehr langen Noten – die beiden mit Haltebögen – dem quantitativ-jambischen Versende angepasst. Man darf ja ruhig spüren, wie sich das Ende von Versmaßen mit jambischem Ende in der Antike angehört hat. Auch die Takt-Einteilung habe ich, um der richtigen Betonung der Wörter nachzukommen gegenüber dem Original leicht verändert.

Vier Teile mit je vier Takten; sechs Verse: Man kann das Lied in vier Teile mit jeweils vier Takten einteilen, wobei der erste und dritte Teil wiederum in zwei Hälften mit jeweils zwei Takten untergliedert werden können. Das resultiert dann in der sechszeiligen (oder "sechsversigen") Schreibweise der Strophen.
• Die erste Hälfte des ersten Teils hat zwei Dreihalbe-Takte, während die zweite zwei Zweihalbe-Takte mit zwei Tönen Auftakt hat.
• Der zweite Teil hat prinzipiell vier Zweihalbe-Takte, wobei der letzte aber zusätzlich die zwei Töne Auftakt zum dritten Teil umfasst.
• Der dritte Teil besteht aus Dreihalbe-Takten in zwei Zwei-Takt-Hälften, die jeweils zwei Töne Auftakt haben. Der letzte dieser Takte ist aber um die zwei Töne Anfangs-Auftakt gekürzt.
• Der vierte Teil besteht wieder aus vier Zweihalbetakten, und zwar ohne Auftakt. Dass der letzte Ton mit zwei ganzen und einer Viertelnote mehr als die Hälfte umfasst und somit extrem lang ist, bewirkt, dass der richtige Abstand zwischen den Strophen hergestellt ist und so keine taktunterbrechende künstliche Pause nötig ist.

Der lateinische Text mit wörtlicher Übersetzung

  Lateinischer Text
Martin Bachmaier 2026
Wörtliche Übersetzung
ins Deutsche
1. Pompa, cantu cornuum,
te Corbiniane,
magnum colimus episcopum.
Quærit plebs se tibi dans,
gaudiorum nave stans
te fortissimum.
Mit Festgepränge, mit dem Klang der Hörner
dich, Korbinian,
wir als großen Bischof verehren.
Es sucht das Volk sich dir gebend,
in der Freuden Schiffe stehend
dich Tapfersten auf.
 
2. Da fervores animi
tu Corbiniane
nostro cælitus antistiti.
Servet iuxta ius ac fas
diœcesin, gazas has.
Ipsi subveni.
Gib Glutströme des Geistes
du, o Korbinian,
unserem Bischof vom Himmel her.
Er erhalte nach Recht und auch göttlichem Gesetz
die Diözese, diese Schätze.
Ihm komm zu Hilfe.
 
3. Omni cæli gratia
tu Corbiniane
fidos sacerdotes adiuva.
Ut altari sæpe stent,
verbum vulgent, vulgo dent
Iesum dextera.
Mit aller Himmels-Gnade
du, o Korbinian,
die treuen Priester unterstütze.
Aufdass sie häufig am Altare stehen,
das Wort unters Volk bringen, dem Volke reichen
Jesus mit der rechten Hand.
 
4. Serva tu familias,
tu Corbiniane.
Regnent amor hic et unitas.
Vallo muni vitæ ius.
Liberorum dona plus.
Partus protegas.
Erhalte die Familien
du, o Korbinian.
Herrschen mögen Liebe hier und Einigkeit.
Mit einem Schutzwall sichere des Lebens Recht.
Der Kinder schenke mehr.
Die Geburten mögest du beschützen.
 
5. Vim succende fidei
tu Corbiniane
parvis cordibus. Hæc erudi.
Frena motus feros hic.
Bonos actus benedic.
Mores expoli.
Die Kraft des Glaubens entzünde
du, o Korbinian,
in den jungen Herzen. Diese bilde ("entrohe").
Zügle die wilden Regungen hier.
Die guten Taten segne.
Die Sitten verfeinere.
 

Metrik und Reim

Akzentuierende Metrik

 

Wie das deutsche Original ist auch die Metrik der lateinischen Version akzentuierend trochäisch. Es liegen die Wortaktzente aller Wörter mit mehr als zwei Silben an ungeradzahliger Stelle. Da Vers 4 und 5 stark endbetont sind, mussten diese Verse mit einem einsilbigen Wort enden. Eine Ausnahme bildet hier Vers 5 von Strophe 5, da "benedic" wegen des fehlenden Imperativ-"e" und dem Langvokal davor zu den wenigen lateinischen Wörtern mit Endbetonung gehört

 

Quantitative Metrik

 

Den Silbenquantitäten komme ich insofern nach, als jede mindestens einen Schlag (hier als halbe Note notiert) lange Note auch tatsächlich lang ist. Jede nur einen halben Schlag lange Note (hier notiert als Viertelnote) ist zwar nich zwingend kurz, darf aber nicht überlang sein. Das heißt: Wenn die Silbe einen Langvokal hat, muss sie offen sein, hat sie aber einen Kuzvokal, darf sie mit höchstens einem Konsonanten geschlossen sein. Die sechs Verse stehen somit den Notenlängen entsprechend in folgendem quantitativen Versmaß: 

 

1. L L D D D D L
2. D D L
[=D+D+ D] D L L
3. L L D D D D L D L
4. D D L L D D L
5. D D L L D D L
6. L L L D L

 

Dabei bezeichnet L eine lange (longa) Silbe und D, wie bereits erwähnt, eine von der Länge her beschränkte (definita, determinata) Silbe. Silben wie "dā" und "dăt sind noch kurz genug, gehören daher zu Ddās und dănt dagegen nicht mehr. Kurze Silben wie dă gehören ohnehin zu D.

 

Als Vokativ zu "Corbinianus" endet "Corbiniane" zwar mit dem Kuzvokal "e". Am Ende eines Verses wird dieser allerdings lang gebraucht. Das Wort "Corbiniane" tritt sozusagen in seine Pausalform.

 

Vermeidung von Hiaten

 

Dichtet man klassisch in quantitierender Metrik, so verschmelzen, wenn auf ein mit Vokal(+m) endendes Wort ein mit (h+)Vokal beginnendes folgt – es liegt dann ein Hiát vor –, die entsprechenden beiden Silben zu einer, was heute schwer vermittelbar wäre und von der Aussprache her umstritten ist. Deswegen werden bei mir Hiate innerhalb eines Verses stets vermieden. Hier überspannt die Hiatvermeidung sogar eine ganze Strophenhälfte.

 

Reim

 

Vers 1, 3 und 6 zusammen bilden einen Dreifach-Reim und Vers 4 und 5 zusammen einen gewlöhnlichen, also einen Zweifach-Reim. Dieser war besonders schwer zu finden, weil die Verse wegen ihrer starken Endbetonung auf einsilbige Wörter (mit der einen Ausnahme) enden mussten und es deren nicht viel gibt. Maria Luise Thurmair hat bei ihrer deutschen Fassung zu Vers 4 und 5 auch noch Vers 1 dazugereimt, da also ihren Dreifachreim gebildet.

Nur der zweite Vers besitzt keinen Reimpartner, was den Vorteil hätte, dieses Lied durch bloßes Ändern des jeweils zweiten Verses auch auf einen anderen Heiligen umschreiben zu können

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