Bild oben: Benedikt XVI. singt die Bayernhymne nach Lutz auf dem Münchner Marienplatz
(von Wikipedia-Autor Wici).
Im Gegensatz zu obiger Instrumentalversion fehlen bei folgenden Noten die Punktierungen an der dritten und fünftletzten Note. Diese gehören nämlich zu den in allen Strophen gleichbleibenden Versen, deren lateinische quantitative Metrik keine Punktierung zulässt:
| Deutscher Text | Lateinische Fassung |
Wort-für-Wort- Übersetzung |
Sprachlich schöne Übersetzung |
| 1.– 2. Strophe Hymne seit 1980 |
|||
| Martin Bachmaier 2015/2026 | 2026 | ||
| 1 . S t r o p h e (aktuelle Fassung) |
|||
| Gott mit dir, du Land der Bayern, |
Deus tecum, Bavarorum |
Gott mit dir, der Bayern |
Gott sei mit dir, du Land |
| deutsche Erde, Vaterland! |
terra, cara patria! |
Land, teures/liebes väterliches! |
der Bayern, du teure Heimat! |
| Über deinen weiten Gauen |
Lati- tudine pagorum |
Auf der Weite der Gauen |
Über die Weiten deiner Gaue |
| ruhe Seine Segens- hand! |
cubet alma dextera! |
liege ruhend die segnende rechte [Hand]! |
ruhe seine segnende Hand! |
| |: Er be- hüte deine Fluren, |
|: Servet rura, fruges, mores, |
Er erhalte die Fluren, Früchte, Sitten/Bräuche, |
Er erhalte deine Fluren, Früchte, Bräuche, |
| schirme deiner Städte Bau |
urbes, templa, publicum, |
Städte, [christlichen] Tempel, das Staatseigentum, |
Städte, Gotteshäuser dein Gemeinwesen |
| und erhalte dir die Farben |
cæli commodi colores, |
des Himmels, des angenehmen, Farben, |
und des gütigen Himmels Farben, |
| Seines Him- mels, weiß und blau! :| |
candidum, cæruleum! :| |
die [strahlend] weiße, die blaue! |
das Weiß und das Blau! |
| 2 . S t r o p h e (aktuelle Fassung) |
|||
| Gott mit dir, dem Bayern- volke, |
Deus tecum, Bavarorum |
Gott mit dir, der Bayern |
Gott sei mit dir, dem Volk |
| dass wir, unsrer Väter wert, |
digna gente patribus! |
würdigem Volksstamm, [würdig] der Väter! |
der Bayern, würdig der Väter! |
| fest in Ein- tracht und in Frieden |
Nam concordia maiorum |
Denn in der Eintracht der Vorfahren |
Denn in der Eintracht der Ahnen |
| bauen unsres Glückes Herd! |
nobis fausta facimus. |
uns Günstiggewogenes wir schaffen. |
schaffen wir uns eine glückliche Zeit. |
| |: Dass mit Deutschlands Bruderstämmen |
|: Nostrum fulgidum Germanum |
Unser strahlender Deutscher |
Unser glänzender Deutscher |
| einig uns ein jeder schau |
fœdus constet unicum, |
Bund habe Bestand, der einzigartige, |
Bund stehe einzigartig da, |
| und den alten Ruhm bewähre |
vexillumque micet sanum, |
und das Banner schimmere, das heilgebliebene, |
und unser unversehrtes Banner schimmere, |
| unser Banner, weiß und blau! :| |
candidum, cæruleum! :| |
das [strahlende] Weiß, das Blau! |
das Weiß und das Blau! |
| 3 . S t r o p h e (Königsstrophe, liturgisch auf Heinrich II. zu singen) |
|||
| ֎ Gott mit ihm, dem Bayer‑König, Segen über sein Geschlecht! Denn mit seinem Volk in Frieden wahrt er dessen heilig Recht. Gott mit ihm, dem Landesvater! Gott mit uns in jedem Gau! Gott mit dir, du Land der Bayern, Deutsche Heimath weiß und blau! ֍ Gott mit ihm, dem Bayer‑König, Vater Max aus Wittelsbach! Über seinem Hause wölbe sich des Himmels schirmend Dach! Gott erhalte uns den Herrscher, Volkes-Glück in jedem Gau, reine Sitte, deutsche Treue, ew'ge Farben Weiß und Blau. |
Deus tecum, Bavarorum |
Gott mit dir, der Bayern |
Gott sei/ist mit dir, der Bayern |
| claro rege provido! |
erlauchtem König, dem fürsorglichen! |
erlauchtem fürsorglichen König! |
|
| Qui custodiat cunctorum |
Der hüte aller |
Auf dass er hüte aller Menschen |
|
| pacem iusque brachio. |
Frieden und Recht mit dem Arm! |
Frieden und Recht mit starkem Arm! |
|
| |: Came- rentur ab umbella |
Überwölbt mögen werden vom Schirm, |
Es mögen überwölbt werden vom |
|
| pro- tegente cælitum |
dem schützenden, der Himmlischen, |
schützenden, Schirm der Himmelsbewohner, |
|
| domus eius, arces, sella, |
das Haus dessen, die Burgen, der Thron, |
sein Haus, die Burgen, der Thron, |
|
| candidum, cæruleum! :| |
das [strahlende] Weiß, das Blau! |
das Weiß und das Blau! |
|
| Die fettgedruckten Stellen der beiden linksstehenden kleingedruckten Versionen der Königsstrophe sind ins Lateinische übertragen (Vater/Landesvater etwa mit provido = dem fürsorglichen). Die kursiven Stellen sind bereits in anderen Strophen wiedergegeben. |
|||
| 4 . S t r o p h e (Marienstrophe angeregt von Michael Öchsner) |
|||
| Heil'ge Jungfrau, benedeite |
Deus tecum, Bavarorum |
Gott mit dir, der Bayern |
Gott ist mit dir, der Bayern |
| Gottes- mutter, Königin, |
tu patrona candida. |
du Schutzfrau strahlend reine. |
strahlend reine Schutzfrau du. |
| sei am Thron des Weltenvaters |
Fidem tutet animorum |
Den Glauben möge beschützen, [den] der Seelen, |
Den Glauben der Seelen möge schirmen, |
| Mutter uns und Helferin! |
tua palla cærula! |
dein Obergewand, [dein] blaues! |
dein blauer Mantel! |
| |: Unsre frommen Ahnen legten |
|: Virgo mater o cælestis, |
Jungfräuliche Mutter, o himmlische, |
O himmlische Jungfrau und Mutter, |
| Bayerns Schutz in deine Hand. |
tu tuere populum |
du schau auf das Staatsvolk |
nimm du das Volk unter deine Obhut |
| Die der Welt das Heil geboren, |
coloresque tuæ vestis, |
und die Farben deines Gewandes, |
und die Farben deines Gewandes, |
| Schirme unser Vaterland! :| |
candidum, cæruleum! :| |
die [strahlend] weiße, die blaue! |
das Weiß und das Blau! |
Es folgt eine übersichtliche Darstellung der lateinischen Fassung allein. Jeder Vers steht hier in genau einer Zeile; kein Zeilenumbruch innerhalb der Verse.
| Lateinische Fassung | ||
| Martin Bachmaier 2015/2026 | ||
| 1 . S t r o p h e der aktuellen Hymne |
||
| Deus tecum, Bavarorum terra, cara patria! |
||
| Latitudine pagorum cubet alma dextera! |
||
| |: | Servet rura, fruges, mores, urbes, templa, publicum, |
|
| cæli commodi colores, candidum, cæruleum! |
:| | |
| 2 . S t r o p h e der aktuellen Hymne |
||
| Deus tecum, Bavarorum digna gente patribus! |
||
| Nam concordia maiorum nobis fausta facimus. |
||
| |: | Nostrum fulgidum Germanum fœdus constet unicum, |
|
| vexillumque micet sanum, candidum, cæruleum! |
:| | |
| 3 . S t r o p h e (Königsstrophe) |
||
| Deus tecum, Bavarorum claro rege provido! |
||
| Qui custodiat cunctorum pacem iusque brachio. |
||
| |: | Camerentur ab umbella protegente cælitum |
|
| domus eius, arces, sella, candidum, cæruleum! |
:| | |
| 4 . S t r o p h e (Marienstrophe) |
||
| Deus tecum, Bavarorum tu patrona candida. |
||
| Fidem tutet animorum tua palla cærula. |
||
| |: | Virgo mater o cælestis, tu tuere populum |
|
| coloresque tuæ vestis, candidum, cæruleum! |
:| | |
1. Bild: Ramsau (von Wikipedia-Autor Daniel Coral);
auch sehr schön: Ramsau (von Wikipedia-Autor Softeis).
2. Bild: Ludwig
II. vor Neuschwanstein, Postkartenmotiv des 19. Jahrhunderts
(von Wikipedia-Autor Andizo).
3. Bild: Patrona Bavariæ im Blütenkranz,
Klosterarbeit aus Wachs, handbemalt
(im Klosterarbeiten-Shop der Mathias Schmidt GmbH).
Akzentuierende Metrik
Wie das deutsche Original ist auch die Metrik der lateinischen Version akzentuierend trochäisch. Fasste man jeweils zwei Verse zu einem zusammen, könnte man auch von einem akzentuierend katalektischem trochäischen Tetrameter sprechen. Es liegen jedenfalls die Wortaktzente aller Wörter mit mehr als zwei Silben auf einer musikalisch betonten Silbe, also auf der ersten, dritten, fünften oder siebten jedes sieben bzw. achtsilbigen Verses.
Quantitative Metrik
Das Lied plätschert im Wesentlichen in gleichlangen als Viertelnoten notierten Tönen pro Silbe dahin, nur ist die dritte Note jedes Verses punktiert, was zur Halbierung der Folgenote führt, und jeder zweite Vers endet mit einem langen Ton. Weil die vorletzte Silbe auf zwei Achtelnoten gesetzt ist, habe ich hierfür eine kurze gefordert. In der Regel mache ich so etwas nicht, da die beiden Achtel in der Summe wieder eine Viertelnote ergeben. Was aber in quantitativer Metrik berücksichtigt werden soll, ist die Punktierung sowie der lange Ton am Ende jedes Verspaares. Da wir auf diese im jeweils gleichbleibendem ersten und letzten Vers verzichten werden, soll folgendem quantitativen Strophenmuster Rechnung getragen werden:
1. X X X X X X X X
2. X X L B X B L
3. X X L B X X X X
4. X X L B X X L
5. X X L B X X X X
6. X X L B X X L
7. X X L B X X X X
8. X X X X X X L
Dabei bezeichnet X eine beliebige, B eine kurze (brveis) und L eine lange (longa) Silbe. Sollte letztere keinen Langvokal haben, so ist sie mindestens mit einer Liquida (l, m, n, r) geschlossen. Erstere drei sind nämlich musikalisch wunderbar dehnbar; das nur einmal (in "concordia") vorkommende r ist zwar dehnbar, macht dabei aber weniger Musik.
Um die Lange Silbe am Ende jeden Verspaares brauchen wir uns nicht zu kümmern, denn sollte ein solches mit Kurzvokal enden, muss dieser lang gebraucht werden; da kommt dann das entsprechende Wort in die Pausalform. So etwas trifft prinzipiell am Ende jeden Kolons zu, de facto nicht nur am Ende jeden Verses, sondern meist auch vor einer Zäsur.
Zur Vermeidung der Punktierung im ersten und letzten Vers muss allerdings die Rhythmik leicht umgeschrieben werden, indem hier punktiere Viertel- und Achtelnote durch zwei Viertelnoten ersetzt werden, was im Notenblatt oben getan worden ist. Vor allem beim Schlussvers ist das gerechtfertigt: wenn nämlich das deutsche "weiß und blau" die Strophe schon feierlich in gleichen Zeitabständen ausklingen lässt, warum sollte das dann im Lateinischen anders sein? Nur hat das lateinische "candidum, cæruleum" trotz fehlenden "und"s gleich sieben Silben. So setzen wir dann eben alle diese sieben Silben den gleichen Zeitabstand. Und für den ersten Vers machen wir das ebenso, damit auf diese Weise das ganze Lied feierlich umrahmt ist.
Vermeidung von Hiaten
Dichtet man klassisch in quantitierender Metrik, so verschmelzen, wenn auf ein mit Vokal(+m) endendes Wort ein mit (h+)Vokal beginnendes folgt – es liegt dann ein Hiát vor –, die entsprechenden beiden Silben zu einer, was heute schwer vermittelbar wäre und von der Aussprache her umstritten ist. Deswegen werden bei mir Hiate innerhalb eines Verses oder gar Verspaares vermieden. Hier triefft die Hiatvermeidung sogar über das ganze Lied hinweg zu.
Reim
Im Gegensatz zur deutschen Hymne reimen sich in der lateinischen Fassung nicht nur die männlichen, also auf leicht betonter Silbe endenden Verse, sondern auch die weiblichen mit trochäischem Ende. Die Reime sind auch völlig Reim, stehen also vor dem Ton in völligem Gleichklang, und haben auch unterschiedlichen Konsonanten vor dem Ton. Es reimt sich also kein "Arm" auf "arm" oder kein lateinisches "tatem" auf "tatem", eine Untugend, die im Lateinischen oft zu finden ist.