Die Totenerweckungen des heiligen Franz von Assisi

Im Folgenden sind die dunkelbraunen Stellen Zitiate aus
P. DDr. Sophronius Classen OFM:
Franziskus Engel des sechsten Siegels.
Sein Leben nach den Schriften des heiligen. Bonaventura.

Werl/Westfalen, Dietrich Coelde-Verlag, 1962.
Wunder nach seinem Tode. Kapitel II. TOTENERWECKUNGEN. Seite 395 bis 400.

1.  Eine Auferweckung nur zur Vermeidung der Höllenstrafe

Schneewittchen (Quelle: Wikipedia: "Sarg")

In dem Dorf Monte Marano bei Benevent war eine Frau, die dem heiligen Franziskus in besonderer Weise ergeben war, den Weg alles Fleisches gegangen. Als aber die Kleriker nachts zur Totenwache und zum Gesang des Totenoffiziums versammelt waren, erhob sich die Frau vor allen Augen von ihrem Lager und rief einen der Umstehenden, ihren Oheim,mit den Worten zu sich: "Ich möchte beichten, Vater. Höre meine Sünden. Nach meinem Tode wollte man mich in einen finsteren Kerker einschließen, weil ich die Sünde, die ich dir beichten will, nicht bekannt hatte. Weil aber Franziskus, den ich zeitlebens fromm verehrt habe, für mich Fürsprache einlegte, durfte ich jetzt zum Leben zurückkehren, um durch das Bekenntnis dieser Sünde das ewige Leben zu erlangen. Siehe, nachdem ich mich ihrer angeklagt habe, werde ich zur verheißenen Ruhe gelangen." Zitternd beichtete sie dem zitternden Priester. Als sie die Lossprechung empfangen hatte, streckte sie sich in Frieden auf ihrem Lager aus und entschlief selig im Herrn.

Verstößt diese Totenerweckung nicht gegen ein Dogma?

Daraus, dass es heißt, dass die vom Tode ins Leben zurückgekehrte Frau durch das Beichten besagter Sünde das ewige Leben erlangt, können wir darauf schließen, dass mit dem finsteren Kerker ein Ort in der Hölle gemeint ist, in die sie nach dem Tode wegen einer einzigen Todsünde gelangt wäre. Nun aber lehrt uns die Dogmatik:

Die Seelen derer, die im Zustand der persönlichen schweren Sünde sterben, gehen in die Hölle ein. De fide.
(Ludwig Ott: Grundriss der Dogmatik, Herder, 10. Auflage 1981.)

Wenn die Frau also schon tot war, und das wird uns ja berichtet, hätte sie gemäß dem ersten Anschein des Dogmas wegen der einen Todsünde doch in die Hölle kommen müssen; der heilige Franz von Assisi hätte sie also nicht wieder zum Leben erwecken dürfen.

Das Nullsummenspiel funktioniert nicht

Na gut, könnte man sagen: Die Frau hat jetzt halt doch noch die Lossprechung von ihrer Todsünde erhalten und ist so halt anstatt in die Hölle in den Himmel gekommen, Franziskus aber habe gegen ein Dogma verstoßen und müsse deshalb dem Himmel ade sagen und von nun an in der Hölle schmoren. Der Thron Luzifers wäre so zum zweiten Mal vakant geworden. In der Summe aber habe sich weder die Bilanz in der Hölle noch die im Himmel geändert.

Doch funktioniert dieses Nullsummenspiel nicht, denn wer sich einmal die ewigen Seligkeit erworben hat, kann sie nie mehr verlieren. Auch das ein Dogma.

Präzisere Formulierung des Dogmas?

So rein vom Gefühl her würden wir aber eher sagen, dass es doch dem Franziskus erlaubt sein sollte, jemanden von den Toten zu erwecken, hat das Jesus doch auch getan. Und wenn er dadurch jemandem das ewige Höllendasein erspart und stattdessen das ewige Leben verleiht, dann umso besser. Also stellt sich die Frage, ob nicht das Dogma schlicht und einfach zu schlecht formuliert ist.

Wie aber hätte man es besser machen sollen? Etwa so:

1. Die Seelen derer, die im Zustand der persönlichen schweren Sünde sterben, werden entweder wieder zum Leben erweckt oder gehen in die Hölle ein.

Oder so:

2. Die Seelen derer, die den letzten Tod im Zustand der persönlichen schweren Sünde sterben, gehen in die Hölle ein.

Beide Definitionen würden die Lehre von der Wiedergeburt, die momentan die deutsche Religon, zumindest die der deutschen Akademiker ist, fördern. Auch die katholische Kirche lasse zu, dass man beliebig oft widergeboren werden kann. Die zweite Definition sei sogar für die Katz, sei für den letzten Tod definiert, den es ja gar nicht gebe. In der Tat wäre es da besser, in einem Zusatz-Dogma noch die Endlichkeit der Anzahl der Tode zu postulieren.

Die Dogmendefinition und "salus animarum suprema lex"

"Das Heil der Seelen ist das oberste Gebot", heißt dieses lateinische Prinzip.  Die Dogmendefinition darf nicht zu kompliziert sein, darf nicht missverstanden werden können. Man muss sie leicht verstehen und sie sich leicht merken können. Anstatt mit der Erwähnung eines letzten Sterbens Wiedergburts-Phantasien zu erwecken, sollte es auch so klar sein, dass in diesem Dogma kein Sterben, dem eine Totenerweckung folgt, gemeint ist, sondern das endgültige Scheiden aus dem Leben, das uns zur Prüfung auferlegt ist. Dass es Totenerweckungen gibt, bezeugt uns die Heilige Schrift, und dieses Zeugnis schließt bereits aus, dass im Totenerweckungsfall obiges Dogma über das Eingehen in die Hölle bei einem Sterben vor der Totenerweckung nicht angewandt werden kann. Das sagt uns ja auch die Vernunft. Und es nahm doch bisher wirklich niemand daran Anstoß.

Warum war ich dann so penibel?

Ich möchte demnächst anhand der Visionen der A. K. Emmerick mit dem großen Irrtum aufräumen, die Gottesmutter Maria sei eine Erlösungsbedrüftige. Sie sei vorauserlöst worden, damit sie ohne Erbsünde ins Dasein treten konnte. Um das Dogma der Unbefleckten Empfängnis unter Zuhilfenahme der Visionen der A. K. Emmerich mit dem Erbsündendogma in Einklang bringen zu können, werden wir uns mit dem Begriff des "Nachkommen" auseinandersetzen müssen. Wie bei obigem Dogma über das In-die-Hölle-Eingehen könnte hier der Begriff des Nachkommen Schwierigkeiten bereiten. Im Dogma ist er ja nicht extra definiert. Der Inhalt des Dogmas selbst aber präzisiert ihn klar genug.

2.  Erweckung des Töchterchens der ebengeheilten Blinden

In dem Dorfe Pamario, das in der Bergen Apuliens liegt, besaßen ein Vater und eine Mutter ein einziges Tächterchen, das noch in zartem Kindesalter stand und das sie sehr liebten. Als es infolge einer Krankheit starb, meinten die Eltern, sie seien mit ihm aus dem Leben gegangen, weil keine Hoffnung mehr bstand, noch Kinder zu bekommen. Zu dem gar traurigen Leichenbegängnis kamen Verwandte und Freunde herbei. Die unglückliche Mutter war von unsagbarem Schmerz erfüllt und in ihrer uermesslichen Trauer so sinnesabwesend, dass sie nichts von dem gewahrte, was um sie vorging. Inzwishen erschiend der heilige Franziskus in Begleitung nur eines Gefährten der untröstlichen Frau, deren Verehrung zu ihm er kannte, und sprach zu ihr das trostreiche Wort: "Weine nicht, denn das Licht deiner Augen, dessen Verlöschen du beklagst, sollst du auf  meine Fürbitte wiedergeschenkt bekommen." Sogleich erhob sich die Frau und teilte allen mit, was ihr der Heilige gesagt hatte. Sie ließ die Leiche ihres Kindes nicht aus dem Hause tragen, sondern rief mit starkem Glauben den Namen des heiligen Franziskus an. Dann nahm sie das tote Kind bei der Hand und hob es, wie alle voll Staunen sahen, lebend und gesund auf.

3.  Tod des Knaben als Folge einer Verwünschung gegen Minderbrüder seitens des Vaters und Rückführung der Seele des Knaben in den Körper nach der Reue des Vaters

Einmal erbaten sich die Brüder von Nocera von einem Manne namens Petrus einen Wagen, den sie eine Zeitlang nötig hatten. Statt ihnen den erbetenen Dienst zu leisten und das zur Ehre des heiligen Franziskus gewünschtge Almosen zu gewähren, beschimpfte er sie in seiner Torheit uns stieß gegen sie Verwünschungen aus. Doch schon bald tat dem Manne seine Torheit leid, und Furcht vor Gott überfiel ihn, seine Rache könne ihn vielleicht treffen. Sie folgte tatsächlich auf dem Fuße; denn sein einziger Sohn wurde sogleich krank und hauchte nach kurzer Zeit seine Seele aus. Da warf sich der unglückliche Vater zu Boden, rief den Heiligen Gottes Franziskus an und betete unter Tränen: "Ich habe gesündigt, habe gottlos gesprochen. Du hättest mich am eigenen Leibe züchtigen sollen. Heiliger, gib dem büßenden Vater zurück, was du dem lästernden genommen hast! Ich weie mich dir und will dir allzeit zu Diensten sein, denn ich will mein andächtiges Lobopfer stests Christus zu deiner Ehre darbringen." Seltsam! Bei diesen Worten stand der Junge auf und bot dem Klagen Einhalt. Dann erzählte er, wie bei seinem Tode seine Seele aus dem Leibe geführt, vom seligen Franziskus geleitet und schließlich in den Körper zurückgeführt wurde.

4.  Bruder Raho ruft den Heiligen Franz an, auf dessen Fürbitte ein nach Fenstersprung gestorbener Junge seinen Eltern lebendig zurückgegeben wird

Der kaum siebenjährige Sohn eines römischen Notars wollte nach Kinderart seiner Mutter folgen. die zur Kirche San Marco ging. Da die Mutter ihn zuhause zu bleiben zwang, sprang er aus dem Fenster des Palastes und erlag solgleich seinen überaus schweren Verletzungen. Als die Mutter, die noch nicht weit gegangen war, den Aufschlag hörte ,vermutete sie, dass ihr Sohn hinabgestürzt sei. Schnell lief sie zurück und sah ihren Sohn, der durch den furchtbaren Sturz so plötzlich sein Leben verloren hatte. Sie schlug sich selbst vor Reue und brachte  mit ihrem Wehgeschrei die ganze Nachbarschaft zu allgemeinem Wehklagen. Ein Bruder namens Raho aus dem Minderbrüderorden, der zum Predigen dorthin gekommen war, eilte zu dem Jungen und sagte voll Glauben zu dem Vater: "Glaubst du, dass der Heilige Gottes Franziskus von den Toten erwecken kann, weil er stets Christus geliebt hat, der sich kreuzigen ließ, um den Menschen das Leben zurückzugeben.?" Da gab der Vater zur Antwort, er glaube dies fest und werde diesen Glauben allzeit bekennen. Er werde auch künftig stets den Heiligen verehren, wenn er durch seine Verdienste von Gott eine solche Gnade erlangen könne. Da kniete der Bruder mit seinem Gefährten nieder und forderte auch die umstehenden zum Gebete auf. Nach dem Gebete aber begann der Junge zu gähnen, schlug seine Augen auf, streckte seine Hände aus, richtete sich auf und lief vor aller Augen unveletzt umher. So gab die außergewöhnliche Macht des Heiligen ihn lebend und gesund den Eltern zurück.

5.  Bergung und Erweckung eines unter Sand Begrabenen

Als in der Stadt Capua eines Tages ein Junge an den Ufern des Volturno mit anderen Kindern unvorsichtig spielte, glitt er in die Tiefe. Der reißende Fluss riss ihn schnell mit sich fort und begrub ihn tot unter dem Sande. Auf das Schreien der Kinder, die mit ihm am Ufer gespielt hatten, eilte eine große Volksschar dort zusammen. Voll Hingabe und Andacht rief das ganze Volk die Fürspradche des seligen Franziskus an, er möge gnädig auf den Glauben der Eltern, die ihn verehrten, schauen und das Kind aus der Lebensgefahr erretten. Auf das Geschrei hin kam nun auch von weither ein Mann hinzu, der schwimmen konnte. Er stellte längere Fragen, rief den seligen Franziskus um Hilfe an und fand schließlich die Stelle, wo der Schlamm wie ein Grab die Leiche des Jungen bedeckte; da grub er den Knaben aus und brachte ihn ans Ufer. Zu seinem Schmerz sah er jedoch, dass der Junge bereits tot war. Zwar erkannten auch die Umstehenden, dass der Knabe nicht mehr lebte, dennoch riefen sie unter Tränen und Wehklagen aus: "Heiliger Franziskus, gib doch seinem Vater den Jungen zurück!" Sogar Juden, die gekommen waren, sprachen aus natürlichem Mitleid: "Heiliger Franziskus, gib doch dem Vater den Jungenzurück!" Zur Freude und zum Staunen aller erhob sich der Junge unversehrt und bat inständig, man möge ihn doch zur Kirche des heiligen Franziskus bringen, um dort dem Heiligen ergeben zu danken, da er sidh durch dessen Macht wunderbar zum Leben wieder erweckt wusste.

6.  Erweckung eines Toten nach Einsturz eines Hauses

In der Stadt Sessa stürzte in dem Stadtvierteil '"alle Colonne" plötzlich ein Haus zusammen. Dabei wurde ein junger Mann verschüttet und fand unerwartet den Tod. Durch das Getöse beim Einsturz des Hauses aufgeschreckt, liefen Männer und Frauen von allen Seiten zusammen, schafften alle Balken und Steine weg, konnten der weinenden Mutter den Sohn aber nur tot übergeben. Diese brach in bitteres Schluchzen aus und rief, so laut sie konnte, in ihrem Schmerz zum Heiligen: "Heiliger Franziskus, heiliger Franziskus, gib mir meinen Sohn wieder!" Mit ihr riefen auch alle, die dabei waren, den Schutz des seligen Vaters an. Da aber der junge Mann weder ein Wort noch sonst ein Lebenszeichen von sich gab, legte man die Leiche auf ein Bett und wartete den nächsten Tag ab, um ihn zu begraben. Im Vertrauen auf Gott und auf die Verdienste seines Heiligen machte aber die Mutter das Gelübde, sie werde eine neue Linnendecke für den Franziskusaltar schenken, wenn er ihren Sohn wieder zum Leben erwecke. Und siehe da, um Mitternacht begann dieser zu gähnen, seine Glieder erwärmten sich, er erhob sich lebend und gesund und brach in lauten Lobpreis aus. Auch den Klerus, der herbeigekommen war, und alles Volk forderte er auf, sie möchten frohen Herzens Gott und dem seligen Franziskus Lob und Dank sagen.

7.  Erweckung eines Toten mit zerschmettertem Kopf

Ein junger Mann namens Gerlandio, aus Ragusa gebürtig, ging zur Zeit der Lese in den Weinberg. Als er sich an der Weinkufe unter die Kelter beugte, um Schläuche zu füllen, brach das Holzgerüst in sich zusammen, und die schweren Steine zerschmetterten ihm mit ihrer todbringenden Last den Kopf. Sofort eilte der Vater voller Verzweiflung zu seinem Sohne, konnte aber dem Erschlagenen nicht helfen, sondern musste ihn, wie er hingestürzt war, unter der Last liegen lassen. Als die anderen Winzer das Wehgeschrei hörten und aus großem Mitleid mit dem Vater des jungen Mannes schnell herbeieilten, konnten sie den jungen Mann nur als Toten bergen. Sein Vater warf sich aber Jesus zu Füßen und flehte voll Demut, er möge ihm seinen einzigen Sohn auf die Verdienste des heiligen Franziskus, dessen Fest gerade bervorstand,zurückgeben. Unter Tränen  betete er, gelobte fromme Werke und versprach, mit seinem Sohne das Grab des Heiligen zu besuchen, wenn er zum Leben zurückkehre. Welch ein Wunder! Sogleich erwachte der junge Mann, dessen ganzer Körper zerschmettert war, zum Leben und zu unversehrter Gesundheit. Er stand vor allen Menschen voller Freude auf, tadelte die Weinenden und versicherte, er habe auf die Fürbitte des heiligen Franziskus das Leben wiedererlangt.

8.  Eine päpstlich berichtete Totenerweckung in Deutschland

In Deutschland erweckte er einen anderen Toten zum Leben. Davon berichtete Papst Gregor IX. zur Zeit der Übertragung des heiligen Franziskus zur großen Freude durch ein apostolisches Schreiben allen Brüdern, die zur Übertragung und zum Kapitel erschienen waren. Da ich den Verlauf dieses Wunders nicht kenne, habe ich ihn nicht geschildert, denn ich halte dafür, dass ein päpstliches Zeugnis jede andere Darstellungsart überragt.

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