Quelle der Bilder: Wikipedia/Wikimedia

Titelbild links: Emblematische Darstellung der Malachiasweissagung in der Klosterkirche Metten, Niederbayern, 1724 (Bildquelle)

Titelbild rechts: Der heilige Philipp Neri, der mutmaßliche Seher dieser Prophetie (Bildquelle)

MALACHIAS-PROPHEZEIUNG UND PETRUS-ROMANUS-NARRETEI

Derzeit wird die Malachiasprophezeiung ungemein stark von der Petrus-Romanus-Narretei überschattet. Der Inhalt der sog. "Papstweissagung des heiligen Malachias" interessiert kaum noch jemand. Alle lassen sich nur noch vom "Petrus Romanus" in den Bann ziehen, der in der Malachias-Weissagung gar nicht vorkommt. Die Malachias-Prophezeiung ist nämlich im Buchband LIGNVM VITAE (Lignum Vitae) nicht für sich allein abgedruckt, sondern zusammen mit Papstnamen und Auslegungen, den sogenannten Adiecta (dem Hinzugefügten), welche dort dem Ciaconius zugeschrieben sind.

Wir haben es also mit zwei verschiedenen Autoren zu tun und stehen vor der Aufgabe der Zuordnung. Die Malachiasweissagung selbst, d.h. die insgesamt 112 Sinnsprüche werden in Lignum vitae dem irischen Bischof Malachias zugeschreiben, doch, wie wir noch sehen werden, wird der Petrus Romanus samt dem sich anschließenden Relativsatz "qui pascet..." ("der weiden wird...") und dem "Finis." ("Ende.") ausdrücklich nicht dem Malachias, sondern einem gewissen Ciaconius zugeschrieben, welcher dort als der Interpret der Malachiasprophezeiung genannt ist.

Ob er oder ein anderer sie ausgelegt und die Papstnamen hinzugefügt hat, bleibt umstritten. Sicher ist aber, dass die Sinnsprüche selbst nicht vom irischen Bischof Malachias stammen. Die letzten 41 prophetischen Sinnsprüche dieser Papstprophezeiung stammen nämlich von Philipp Neri, während die ersten 71 nachträglich hinzuerfundene Fälschungen sind, um die Prophetie durch bereits Eingetroffenes glaubwürdiger zu machen.

Um Malachias-Pophezeiung und Petrus-Romanus-Narretei auseinanderzuhalten,  werde ich beide Themen in zwei großen Abschnitten möglichst getrennt voneinander behandeln.

Die Malachias-Prophezeiung

Der Seher der Malachias-Prophezeiung

Vom irischen Bischof Malachias (1094/95-1148) stammt kein einziges Wort der sog. Malachias-Weissagung. Als sie irgendwann im 16. Jahrhundert entstand, war er längst verstorben. Zwar fällt der Beginn der Malachias-Prophezeiung mit Papst Cölestin II. (1143–1144) in die Lebenszeit dieses Bischofs, doch die ersten 71 Sinnsprüche dieser Papstprophezeiung, welche ausschließlich formalen Charakter haben (Bezug auf Wappen, Herkunft, Titelkirche des Papstes u.ä.), sind eine Fälschung, eine übliche Vorgehensweise, um das Interesse an der Papstprophezeiung durch frappierend genaue Teilerfüllung zu wecken. Die 41 weiteren Devisen, von denen die meisten auf eine Zeit nach der Veröffentlichung der sog. Malachiasprophezeiung zurückgehen, unterscheiden sich inhaltlich stark von den ersten 71; sie sind keineswegs mehr so formal, sondern bedienen sich mehr einer Symbolsprache zur Charakterisierung des Pontifikats des prophezeiten Papstes. Diese 41 Sinnsprüche sind eindeutig prophetischer Natur und verblüffen zum Teil sehr stark, weil sie so gut auf das Pontifikat des jeweiligen Papstes interpretierbar sind. Diese Sinnsprüche gehen aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf den heiligen Philipp Neri zurück, welcher exakt im selben Jahr 1595, als seine Papstprophetie in Lignum Vitae gedruckt wurde, gestorben ist. Er hat nachweislich zu seinen Lebzeiten Päpste prophezeit, wie aus den Acta Sanctorum entnommen werden kann. Mehr dazu habe ich bereits in Wikipedia geschrieben; siehe dazu den folgende Button:

Die englische Wikipedia weiß derzeit noch nicht bzw. nicht mehr, dass Philipp Neri der Seher der Malachiasweissagung ist, denn mein Eintrag vom 12. März 2013, einen Tag vor der sog. Papstwahl, wurde rückgängig gemacht. Die englischsprachigen Welt will vom wichtigsten Malachiasforscher, Hildebrand Troll, einem Deutschen, offenbar nichts wissen.

Die 40 prophetischen Sinnsprüche (Nr. 72-111) für die 40 letzten rechtmäßigen Päpste der Malachias-Prophezeiung

Ich möchte zum gegenwärtigen Zeitpunkt vor allem auf den folgenden Artikel auf meiner Wikipedia-Benutzerseite verlinken:

Dieser Artikel ist zwar  noch nicht fertig, ansonsten dürfte er, bezogen auf das Inernet, die ausführlichste Online-Darstellung der gesamten Malachiasprophezeiung beinhalten, der 71 gefälschten (in rötlichem Hintergrund) sowie der 41 prophetischen Sinnsprüche (in goldenem Hintergrund). Später werde ich hier die wichtigsten Auslegungen zu den rechtmäßigen Päpsten der jüngsen Zeit wiedergeben, etwa zu den Päpsten Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul I., Johannes Paul II. und Benedikt XVI., dem letzten rechtmäßigen Papst dieser Prophezeiung. Er sollte, so meine ich, zumindest der letzte in der Sixtinischen Kapelle gewählte Papst sein. Vollkommener wäre die Weissagung allerdings, wäre er zugleich auch der letzte Papst vor der ersten Wiederkunft Christi. Der  letzte "Papst" der Malachiasprophetie, wird dagegen in einem gesonderten Abschnitt, dem nächsten, behandelt. Er tanzt nämlich als Aussagesatz etwas aus der Reihe und bezieht sich auf einen Gegenpapst, nämlich "Papst" Franziskus, Gegenpapst zumindest im Sinne des Oberhauptes der katholischen Kirche.

Der 41. prophetische und insgesamt 112., der letzte Sinnspruch der Malachias-Prophezeiung für Gegenpapst Franziskus

Der letzte Sinnspruch der Malachiasprophezeiung dürfte heißen:

 

In persecutione extrema S. R. E. sedebit.

(In äußerster Verfolgung der Heiligen Römischen Kirche wird er thronen.)

 

Eventuell könnte er auch einfach nur wie folgt heißen:

 

In persecutione.

(In äußerster Verfolgung.)

 

Denn nach "persecutione" steht ein Punkt. Zitat im Original-Font, aber ohne Worttrennung:

 

In psecutione. extrema S.R.E.ſedebit.

 

Dieser Punkt mag vielleicht daraus resultieren, dass man tatsächlich nicht wusste, wie der letzte Sinnspruch lautet. Es könnte sich vielleicht auch um einen Abkürzungspunkt handeln, da es im Originaldruck "psecutione." heißt.

Aus den oben erwähnten Acta Sanctorum geht hervor, dass Philipp Neri den Namen des Papstes und teils Weiteres laut aussprach. Das mag bei seiner Gesamtschau der Sinnsprüche ebenso gewesen sein. Und die Dabeistehenden wussten dann möglicherweise nicht, ob der Satzteil ab "extrema" noch dazugehört. Ich halte das Dazugehören, also den längeren Satz ("In persecutione extrema S. R. E. sedebit." ) für den wahrscheinlicheren, da erstens Fälscher nachzuahmen versuchen und deswegen die Stilistik der 40 prophetischen Sinnsprüche nicht grundlos ändern würden und diesen Aussagesatz mittels zweier Aussagesätze im gefälschten Teil auch tatsächlich nachgeahmt haben. Zweitens ist der Unterschied in der Stilistik dadurch gerechtfertigt, dass sich der letzte Satz als einziger auf einen Gegenpapst bezieht. Alle Gründe für beide Varianten des letzten Sinnspruchs gibt es auf der ausführlicheren Seite zu Philipp Neris Papstweissagung:

Der Bezug des letzten Sinnspruchs auf Gegenpapst Franziskus. Der letzte Sinnspruch bezieht sich mit ziemlicher Sicherheit auf Gegenpapst Franziskus, denn Philipp Neri, der Seher der Malachiasprophezeiung, schaute alle Päpste, die beim Konklave gewählt wurden, und dort wurde auch Franziskus gewählt. Vermutlich wäre die Wahl trotz des einen ungültigen Wahlgangs (weswegen am Wahltag ein Wahlgang mehr als erlaubt stattfand, allerdings nur ein ungültiger) rechtsgültig gewesen, wäre Benedikt XVI. rechtsgültig zurückgetreten. Diese Wahl dürfte Philipp Neri kaum ignoriert haben, und da gerade sein Sinnspruch für "Papst Franziskus" gar so anders ausfällt - es ist ein Aussagesatz, was bei seinen anderen 40 Sinnsprüchen nie vorkam -, kann man dies allein als eine Art werten, kundzutun, dass es sich hier um einen Gegenpapst handelt, einen Er, den man nicht beim Namen nennt, dem man keinen richtigen Sinnspruch zuweisen will.

Zeit- und/oder Ortsbezug des letzten Sinnspruchs. Der Sinnspruch kann sich auf die Zeit beziehen: zur Zeit einer äußerst starken, vielleicht auch der letzten Kirchenverfolgung würde er thronen; er kann sich aber auch auf den Ort beziehen. Im klassischen Latein ist "in" + Ablativ fast stets ein Lokativ, eine Ortsangabe. Das würde dann heißen, dass Gegenpapst Franziskus inmitten der Verfolger thront.

Die Petrus-Romanus-Narretei

Jahrhunderte lang - und die meisten Leute glauben es heute noch - wurden die Menschen mit der Behauptung genarrt, die Papstweissagung des heiligen Malachias, wie sie genannt wird, spräche von einem "Petrus Romanus". Dieser ist aber nicht Bestandteil der Prophetie, sondern eine Auslegung des letzten Sinnspruchs, ein sog. "Adiectum" , was Hinzugefügtes, wozu es am Ende heißt, dass die Adiecta nicht von Malachias stammen, sondern von Alphons Ciaconius, dem angeblichen Interpreten diese Prophetie.

Im Gegensatz zum Urheber der Malachiasprophezeiung, Philipp Neri, bleibt deren Ausleger jedoch weiterhin umstritten. Neben Ciaconius kommen viele andere in Frage.

Soll jetzt bloß keiner sagen: Nachdem sich der letzte Papst nun doch nicht Petrus nannte, versuchte ich, den "Petrus Romanus" aus der Malachiasprophetie herauszulösen. Ich wusste bereits ein paar Jahre vor der Wahl des Franziskus, dass  "Petrus Romanus" ein Papstname oder, dem Volksmunde nach, ein Papstsynonym, auf jeden Fall kein Sinnspruch des Philipp Neri (des "Malachias") ist, sondern, ebenso wie der anschließende Relativsatz "qui pascet ...", ein Adiectum, was Hinzugefügtes, und dass alles Hinzugefügte, Papstnamen wie Auslegungen, nicht dem Malachias, sondern dem Ciaconius zugeschrieben ist. Als Beweis verweise ich auf meinen Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia vom 10. März 2013, drei Tage vor der sog. Papstwahl. Man scrolle nach unten und sehe sich noch vor den Einzelnachweisen den Abschnitt "Der letzte Sinnspruch und das Adiectum des Ciaconius" an, speziell den Unterabschnitt "Warum „In extrema persecutione S. R. E. sedebit“ ein Sinnspruch und „Petrus Romanus, qui pascet …“ ein Adiectum ist". Denselben Nachweis enthält auch mein Eintrag in der englischsprachigen Wikipedia vom 11. März 2013, zwei Tage vor der sog. Papstwahl. Man scrolle nach unten bis zum Ende der großen Tabelle. Dort steht meine Sichtweise des "Petrus Romanus". Nach dem Rücktritts-Fake Benedikts XVI. entschloss ich mich nämlich, meine Forschungsergebnisse zum Thema Malachiasweissagung und "Petrus Romanus" übers Internet bekannt zu geben; absonsten hätte mir besagter Nachweis gefehlt.

Warum "Petrus Romanus, qui pascet..." eine dem Ciaconius zugeschriebene Auslegung und somit nicht Bestandteil der Malachiasprophetie ist

Welche Sätze Sinnsprüche sind und welche Adiecta ("Hinzugefügtes": Papstnamen und Auslegungen), scheint bei der dreispaltigen Anordnung zunächst offensichtlich. Am Ende scheinen alle drei Spalten für die Sinnsprüche verwendet zu werden (siehe den Abschnitt Form auf Wikipedia). Das wurde bisher stets geglaubt, dabei aber außer Acht gelassen, dass der letzte Absatz dieses wieder dreispaltigen Teils aufgrund der Form „Petrus Romanus, qui pascet …“ dem Stil der Adiecta entspricht: Papstname mit angefügter Auslegung.

Die nächste Tabelle verdeutlicht dies bereits unter Bezugnahme auf die 41 prophetischen Sinnsprüche (#72 - #112) inklusive der ggf. hinzugefügten Papstnamen und Auslegungen.

  Die prophetischen Sinnsprüche in LIGNVM VITAE incl. aller Adiecta  

 

 
#

Der Sinnspruch,

in Lignum vitae
dem Malachias
zugeschrieben

Die Adiecta (Hinzugefügtes), in Lignum vitae

dem Ciaconius zugeschrieben

Papst
bzw.
Gegen-
papst

 Papst  Auslegung

72

 

 

Medium corpus pilarũ.

 

 

Gregorius XIII.

 

 

cuius inſignia medius Draco, Cardinalis creatus à Pio. IIII. qui pila in armis geſtabat. 

Gregor XIII.

 

 

73

 

Axis in medietate ſigni.

 

Sixtus. V.

 

qui axem in medio Leonis in armis geſtat.

Sixtus V.

 

74

 

 

 De rore cœli.

 

 

Vrbanus. VII.

 

 

qui fuit Archiepiſcopus Roſſanenſis in Calabria, ubi mãna colligitur.

Urban VII.

 

 

75  Ex antiquitate Vrbis. Gregorius. XIIII.    Gregor XIV.
76  Pia ciuitas in bello. Innocentius. IX.   Innozenz IX.
77 Crux Romulea. Clemens. VIII.   Clemens VIII.
78  Vndoſus uir.     Leo XI.
79  Gens peruerſa.     Paul V.
         ⁞           ⁞
109 De medietate lunæ.      Johannes Paul I.
110 De labore ſolis.      Johannes Paul II.
111 Gloria oliuæ.     Benedikt XVI.

112

 

 

 

 

 

In psecutione. extre- 
  ma S.R.E.ſedebit. 

 

 

 

 

Petrus Romanus,

 

 

 

 

 

qui paſcet oues in multis tribulationibus: quibus tranſactis ciuitas ſepticollis diruetur, & Iudex tremẽdus iudicabit populum ſuum. Finis.

Franziskus

 

 

 

 

 

  • Ein Aussagesatz wie „Petrus Romanus, qui pascet …“, der mit einem Papst-Namen oder Papst-Synonym beginnt und mit einem Relativpronomen fortgeführt wird, findet sich in keinem Sinnspruch. Stattdessen ist dieser Stil in den Adiecta, den Deutungen, die dem Alfons Ciaconius zugeschrieben sind, vielfach zu finden. An die Stelle des Papst-Synonyms tritt natürlich der bereits bekannt gewordene Papstname, doch diesem folgt oft, und zwar in 12 von 74 Fällen (die letzten drei sind Adiecta zu Philipp Neris Sinnsprüchen) bereits direkt dahinter ein Relativpronomen. In acht dieser 12 Fälle heißt dieses sogar „qui“ („der“) wie im Petrus-Romanus-Zusatz, in den anderen vier Fällen „cuius“ („dessen“). Wie obige Tabelle, die den Petrus-Romanus-Zusatz bereits unter die Adiecta einordnet, zeigt, beginnen dort alle vier Auslegungen mit einem Relativpronomen. In drei Fällen heißt dieses Relativpronomen "qui" (darunter bei der Auslegung des letzten Sinnspruchs), und nur bei der ersten heißt es "cuius". Das ist ein klares Indiz dafür, dass der Satz „Petrus Romanus, qui pascet …“ nicht als Sinnspruch, sondern als ein dem Ciaconius zugeschriebenes Adiectum  zu verstehen ist, mit der Malachiasweissagung selbst also nichts zu tun hat.
  • Petrus Romanus kann als Synonym für „Papst“ oder „Bischof von Rom“ verstanden werden, aber auch einer kuriosen Meinung des Interpreten geschuldet sein, der letzte Papst müsse wie der erste Petrus heißen, dies, obwohl sich noch nie ein Papst, nicht mal Simon der Fischer – dieser erhielt den Namen Petrus von Jesus selbst – oder ein Papst, der mit bürgerlichem Namen bereits Petrus hieß, den Namen Petrus zugelegt hat. Eine dermaßen kuriose Meinung lässt aber „Petrus Romanus“ nicht als Sinnspruch, sondern als eine Art Auslegung des Sinnspruchs „In persecutione extrema“ („in der letzten (oder in äußerst großer) Verfolgung“) erscheinen, wenn also das Adjektiv „extremus“ im Sinne von „letzter“ ausgelegt wird.
  • Auch im Relativsatz „qui pascet oves in multis tribulationibus: quibus transactis civitas septicollis diruetur, et Iudex tremendus iudicabit populum suum. Finis.“ erkennt man unschwer eine Auslegung von „In persecutione extrema S. R. E. sedebit“.  "In persecutione" ("in der Verfolgung") wird durch "in multis tribulationibus" ("in vielen Bedrängnissen") ausgelegt, "extrema" ("äußerster") im Sinne von "äußerst starker" durch die Zerstörung des Siebenhügelstaates ("civitas septicollis diruetur") und im Sinne von "letzter" durch das sich anschließende Jüngste Gericht ("iudex tremendus iudicabit populum suum.") sowie das Wort "Finis" ("Ende"). Der Genitiv "S.R.E." (der heiligen römischen Kirche" ist durch die "oves" ("Schafe") ausgelegt und das Verb "sedebit" ("wird thronen") durch "pascet" ("wird weiden"), was ja ganz besonders die Aufgabe jedes regierenden Nicht-Gegenpapstes zur Zeit einer Verfolgung sein sollte.
  • Zudem steckt im gesamten Adiectum „Petrus Romanus, qui pascet …“ ein in Zweideutigkeiten zum Ausdruck kommender Sicherheitsgedanke, der eines heiligen Propheten unwürdig ist. Der Ausleger hat sich nicht einmal „Petrus II.“ zu schreiben getraut; vielleicht kommt ja in der Zwischenzeit doch noch ein vorschneller Petrus, was die Ziffer II widerlegte, und falls sich der letzte Papst nicht mal Petrus nennen sollte, so kann Petrus immer noch als Papst-Synonym herhalten. Derselbe Sicherheitsgedanke steckt in der „civitas septicollis“. Wenn es nicht die Siebenhügelstadt Rom ist, dann eben die „Hure Babylon“ sitzend auf einem Tier mit sieben Köpfen, die sieben Bergen entsprechen,[57] d. h. die nicht nach Gottes Geboten lebende Gemeinschaft von Menschen, die der heilige Augustinus in De civitate dei die civitas terrena, den Erdenstaat nennt.
  • Das Adiectum „Petrus Romanus, qui pascet …“, insbesondere dessen Relativsatz kann auch schon deswegen nicht als prophetischer Sinnspruch verstanden werden, weil er schlicht und einfach nichts Prophetisches, was nicht bereits bekannt wäre, enthält. Troll[4] verweist auf John Henry Newman, der diesen Schlusssatz in seinem Traktat über den Antichrist von 1838 zitiert und ihn in Übereinstimmung mit den Anschauungen des frühen Christentums findet.[60] Und wenn Troll schreibt: „Nach Aussage der Prophetie findet mit diesem Pontifikat die menschliche Geschichte jenes Ende, das der biblische Glaube und das Credo der Kirche (et iterum venturus est) lehrt“, dann bestätigt er ebenfalls, dass dieses Adiectum nichts prophetisch Neues enthält.
  • Außerdem ist die Prophetie nach dem "Petrus Romanus" falsch. Es folgt nämlich nicht bereits nach dem letzten Papst oder Gegenpapst das Jüngste Gericht und das Ende der Welt. Nach der dreitägigen Finsternis - und Gegenpapst Franzsikus dürfte kaum länger leben - kommt noch eine glückliche Zeit mit mindestens 25 Jahren reicher Ernten (La Salette 2). Danach werden die Menschen wieder weniger gottesfürchtig, woraufhin dann ein Vorläufer des Antichrist Krieg gegen die Christen führt, und dann erst kommt die Antichrist-Zeit gefolgt von der Wiederkunft Christi, der sich die goldene Phase der Menschheit anschließt, die in der Offenbarung des Johannes das tausendjährige Reicht genannt wird. Dann muss der Teufel nochmals losgelassen werden, was die Menschheit noch zu einem kurzen Kampf gegen ihn und gegen Gog und Magog zwingt. Erst danach folgt das Jüngste Gericht, und die Guten werden mit einem neuen Himmel und einer neuen Erde ohne Sünde und Tod beglückt. Vom Jüngsten Gericht bereits nach dem Thronen des Franziskus zu sprechen, würde heißen, dass Philipp Neri kein Prophet war.
  • Weiter weiß man von Philipp Neri, dass er so von Gottes Liebe überwältigt wurde, dass ihm sogar eine Herzerweiterung zuteil wurde, die auch anatomisch bestätigt wurde. Es mutet daher nahezu absurd an, dass dieser Philipp Neri, der Gott als so unermesslich große Liebe kennengelernt hat, dass er sich zu sagen genötig fühlte: „Es ist genug!“, von Gott als einem „iudex tremendus“, einem Richter, vor dem man zittern muss, schreibt. Der Petrus-Romanus-Zusatz gefolgt vom „schrecklichen Richter“ kann daher kaum Philipp Neri zugeschrieben werden. Vielmehr scheint der „iudex tremendus“ eine Entlehnung eines Auslegers aus dem damals bereits bekannten Dies irae zu sein, um die eher nüchtern anmutende Prophetie des Philipp Neri in ein schauriges Ambiente am Ende der Welt zu tauchen.

"Papa" oder "Summus Pontifex" statt "Petrus Romanus"

Ach, hätte doch Ciaconius oder wer immer der Ausleger der Malachias-Prophezeiung war, statt "Petrus Romanus" einfach "Summus Pontifex" oder gar nur "Papa", was ebenso dem deutschen Wort "Papst" entspricht, geschrieben! Dann würde wohl keiner sagen, nach dem Gloriae-olivae-Papst käme noch ein Papst mit der Malachias-Devise "Papst". Freilich, richtig gelegen hätte er damit auch nicht, denn Franziskus ist nun mal nur ein Gegenpapst.

Die Mutation des "Petrus Romanus" zum Sinnspruch und dessen formale Auslegung über zwei Ecken pro Wort

Die Literatur hat Punkt und Absatz zwischen dem Sinnspruch und dem Adiectum "Petrus Romanus, qui pascet ..." (und den Punkt nach "persecutione" natürlich ebenso) übersehen und zitiert beides zusammen als einen einzigen Satz, allerdings meist ohne den Schluss-Satz "Finis." ("Ende".), während das "E." aus der Abkürzungs-Kette "S.R.E." ausgeschrieben wird:

 

In persecutione extrema S. R. Ecclesiae sedebit Petrus Romanus, qui pascet oves in multis tribulationibus: quibus transactis civitas septicollis diruetur, et Iudex tremendus iudicabit populum suum.

 

Man tat so, als hätte sich der Prophet ausnahmsweise mal dazu herabgelassen, anstatt eines kurzen Sinnspruchs einen längeren Schluss-Satz zu schreiben. Was davon haften bleibt, ist aber nicht der Sinnspruch "In persecutione. extrema S.R.E. sedebit.", sondern das aller Unwichtigste, das Papstsynonym oder der Versuch einer Papstnamen-Prophetie des Auslegers, nämlich dieser ominöse "Petrus Romanus". Der nun fungiert als neuer Sinnspruch, was zu folgendem Ende der Sinnspruch-Kette führt:

De medietate lunae.

De labore solis.

Gloria olivae.

Petrus Romanus.

 

Der Sinn hinter dem so entstandenen "Ciaconius"-Sinnspruch "Petrus Romanus" konnte doch nur sein, dass der letzte wie der erste Papst Petrus heißen müsse. Die Wettbüros boten jedenfalls auf das Setzen auf den Papstnamen Petrus kaum noch eine 1:1-Wette an, so sicher waren sich viele prophezeiungsgläubige Menschen, die sich doch in Wahrheit nur von der Wichtigtuerei eines Auslegers oder Fälschers, auf jeden Fall eines Nicht-Propheten in den Bann ziehen ließen.

Es kam, wie es kommen musste: Es kam mit Franziskus ein "Papst" (genauer: Gegenpapst), der sich nicht Petrus nannte. So musste er halt anders interpretiert werden. Und dieses geschah im Stile der ersten 71 gefälschten und rein formalen Sinnsprüche, nur halt jeweils über zwei Ecken, was bei der Auslegung der 71 gefälschten Formalitäten-Sinnsprüche natürlich nie nötig war.

Den Petrus fand man im patrologischen Vornamen "Pietro" nicht etwa des "Papstes" selbst, sondern dessen, nach dem sich der 2013 gewählte Kardinal Jorge Mario Bergoglio benannt sehen will: des heiligen Franziskus von Assisi. Dessen Vater hieß nämlich mit Vornamen "Pietro". Das macht zwei Ecken. Die erste Ecke ist der Umweg über den Heiligen von Assisi, die zweite die Tatsache, dass man anstatt des Rufnamens Francesco oder des Vornamens Johannes (der Täufer) den in einer Geburtsurkunde (oder was Ähnlichem) erwähnten Vornamen des Vater selektiert.

Und auch beim "Romanus" ("Römer") bedarf es zweier Ecken. Erstens muss der Römer zum Italiener erweitert werden. Und dann ist ja Kardinal Jorge Mario Bergoglio an sich doch eher ein Argentinier denn ein Italiener. Immerhin hat er aber von seinem Vater die italienische Staatsbürgerschaft.

An sich läge da die zweite Devisenhälfte Romanus kaum daneben, wäre sie, interpretiert als Italiener, nicht sowas von trivial. 38 aller 40 von Philipp Neri prophezeiten rechtmäßigen Päpste waren nämlich Italiener, aber richtige Italiener, die in Italien lebten, nicht nur Staatsbürgerschafts-Italiener wie Kardinal Bergoglio.

Papst Benedikt XVI. kann zwar nicht als Italiener - die Ansicht, München sei die nördlichste Stadt Italiens, wird ja von den Bayern nicht geteilt - , aber doch, dem Mutations-Sinnspruch Petrus Romanus entsprechend, als alter Römer ausgelegt werden. Er ist ja in der antiken römischen Provinz Raetium geboren und aufgewachsen, und später wurde diese Provinz Teil des Heiligen Römischen Reiches. Ein Römer durch und durch.

Fehlt noch Johannes Paul II.: Sein Geburtsort Wadowice bei Krakau gehörte zwar nie zum Heiligen Römischen Reich, er war jedoch von 1772 bis 1918 Teil des Königreiches Galizien-Lodomerien unter der Herrschaft der Habsburg-Lothringer. Und diese stellen den Römern seit 1745 durchgehend die Kaiser. Johannes Pauls Vater, Karol, diente sogar als kaiserlicher und königlicher Unteroffizier der österreichisch-ungarischen K.u.K.-Monarchie. Mit etwas Geschick ließe sich also auch Johannes Paul II. zumindest als ein Römersohn interpretieren.

"Petrus Romanus" und die hohe Kunst des Danebentreffens

Kehren wir wieder zum "Petrus Romanus" als das, was es ist, zurück, ein Papst-Synonym oder ein Versuch, seitens des Auslegers, den Papstnamen zu erraten oder vorherzubestimmen. Der Ausleger, sei es Ciaconius oder ein anderer, wollte mit "Petrus Romanus" möglicherweise doch ein bisschen Self-Fulfilling-Prophecy provozieren. Toll wäre es gewesen, hätte sich Franziskus wirklich Petrus genannt, so wie Jesus den ersten Papst Petrus genannt hat. Wäre er auch kein Petrus II., sondern ein Petrus III. oder IV. gewesen, dafür hat der Ausleger Sorge getragen. Er schrieb ja nicht Petrus II., was durch einen Zwischen-Petrus glatt daneben gegangen wäre, Petrus Romanus hält aber auch für solche Fälle her. Könne nichts schief gehen, dachte er wohl. Und wenn er sich nicht einmal Petrus nennen sollte, na ja, jeder Papst sei doch ein Petrus. Das könne man ihm dann wohl auch nicht übel nehmen. Jeder Papst vielleicht. Ja, in der Sprache der Gefühlsduselei ist jeder Papst ein Petrus und als römischer Bischof ein Römer sowieso. Ein Gegenpapst allerdings ist kein Petrus und auch kein römischer Bischof. Dumm gelaufen! Aber wenigstens die Menschen zum Narren gehalten. In den Wettbüros bekam man mit dem Setzen auf den Papstnamen Petrus kaum noch eine 1:1-Wette angeboten. Wieviele Millionen Euronen da einfach gestrickte prophezeiungsgläubige Menschen liegen lassen haben?! Sie glaubten, an einen "Malachias" zu glauben oder einen anderen Seher, der hinter dieser Prophetie steckt, glaubten aber an deren Ausleger. Und der war kein Prophet.

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