Die Bilder oben: Links: der Erstdruck des Liedes im Speyerer Gesangbuch von 1599. Rechts: Älteste Überlieferung des Liedes aus dem 16. Jahrhundert. Handschrift 2363/2304 8°, folio 169r. Heute in der Stadtbibliothek Trier. Quellen in den Verlinkungen verwendet auch in Wikipedia hier.
Alle lateinischen Silben unter einer langen (halben) Note tragen einen Langvokal, wobei man wissen muss, dass ein Kurzvokal am Ende eines Kolons, eines Verses hier, zum Langvokal wird. Die Silben unter einer kurzen (viertelten) Note sind, wenn sie Langvokal haben, offen und, wenn sie Kurzvokal haben, mit höchstens einem Konsonanten geschlossen. Das ermöglicht flüssiges Singen und, dass die Langvokale an kurzen Noten noch einigermaßen lang gesungen werden können, während alle Vokale, die musikalisch lang auszuhalten sind, auch tatsächlich lang sind.
Die Metrik ist zudem akzentuierend, d.h., dass alle Akzente auf betonte Noten fallen.
Der deutsche Text lässt mir "Ros" und "Blümlein" den Unterschied zwischen beiden kaum erkennen. Im Lateinischen bedeutet "rosa" nicht nur eine einzelne Rose, sondern auch einen Rosenstrauch oder Rosenstock. Der "flos" ist dann die Blüte dieses Rosenstocks.
| Lateinischer Text Martin Bachmaier 2026 |
Wörtliche Übersetzung ins Deutsche |
Ältester Druck (katholisch) Speyer 1599 |
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| 1. | En orta rosa vere. De qua radice? Qua? Maiores ut dixere, de Iesse regia. In conticinio frigentis floret brumæ cælesti flosculo. |
Da! Entsprungen ein Rosenstock fürwahr. Von welcher Wurzel? Welcher? Wie die Ahnen sungen, von Isais königlicher. In der nächtlichen Schweigephase einer fröstelnden Wintersonnenwende blüht er mit einer himmlischen kleinen Blüte. |
Es ist ein Ros entsprungen / auß einer wurtzel zart / Als uns die Alten sungen / auß Jesse kam die Art / vnnd hat ein blümlein / bracht / mitten in kaltem Winter wol zu der halben nacht. |
| 2. | Qui flos? O proles dia, quæ rosa prodita. Quæ rosa? Nam Maria, quæ virgo regia iam parit integre, quem canit I-sa-i-as, æterno numine. |
Welche Blüte? O der göttliche Sprössling, der aus dem Rosenstock hervorgebracht. Welcher Rosenstock? Maria halt, welche als königliche Jungfrau nunmehr unversehrt gebiert, welchen weissagt Jesaia, nach ewigem göttlichen Willen. |
Das Röselein das ich meine / Daruon Isaias sagt / Ist Maria die reine / Die vns das blümlein hat bracht / Auß Gottes ewigem raht / Hat sie ein Kindlein gboren / Vnd blieben ein reine Magd. |
| 3. | O flos et nos odorans, lux per caligines! O rosa nobis orans æternæ vitæ res! Quæ rosa! Qualis flos! Quæ mutat nos in flores. Qui culpis purgat nos. |
O Blüte auch uns wohlriechend machend, Licht durch die Finsternisse! O Rosenstock uns erbittend des ewigen Lebens Dinge! Welch' Rosenstock! Was für eine Blüte! Der wandelt uns in Blüten. Die reinigt uns von den Verschuldungen. |
Das Blümle gantz alleine / das vns so wol gefelt / Mit seinem hellen scheine / Erleucht es alle welt / Vnd hilft vns auß dem leiden / Von sünd und tod errett. / Vnd führt vns zu den freuden. |